Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972830
Andrea 
Orcagn a. 
437 
Alle diese grösseren Malereien werden vor 1355 entstanden 
sein, denn seit diesem Jahre, wo er Obermeister des Baues von 
Orsanmichele wurde, nahmen ihn die wichtigen architektonischen 
Aufträge der Republik so sehr in Anspruch, dass er schwerlich 
Zeit zu anhaltenden malerischen Arbeiten behielt, zumal er sich bei 
jenen Bauten nicht bloss durch die Oberleitung sondern auch durch 
eigene plastische Arbeiten betheiligte. Namentlich geschah dies bei 
dem Oratorium von Orsanmichele, welches ein Liebling der Florenti- 
ner geworden war und bei dessen plastischer Ausstattung die Ge- 
werbe Wetteiferten. Ob auch unter den äusseren Statuen einige von 
seiner Hand sind, ist zweifelhaft, wohl aber giebt das prachtvolle 
Tabernakel, welches das Madonnenbild des Hauptaltars umrahmt, 
einen Beweis seiner plastischen Kunst und seiner Vielseitigkeit. 
Man hält gewöhnlich dies Madonnenbild für das, Welches, von Ugo- 
lino da Siena gemalt, schon seit l292im Rufe der Wunderthätigkeit 
stand. Allein dies ältere Bild war auf einen Pfeiler gemalt und 
wird daher ohne Zweifel bei dem grossen Brande von 1304 unter- 
gegangen sein, während das gegenwärtige ein Temperabild von 
ausgezeichneter milder Schönheit mit ganz giottesken Zügen und 
daher wahrscheinlich erst jetzt zum Ersatz jenes verlorenen, und 
dann muthmasslich von Orcagna selbst gemalt ist k), dessen lieb- 
lichsterl Frauengestalten es entspricht. Jedenfalls ist dann das 
Tabernakel selbst in seinem Aufbau und seinem plastischen 
Schmuck eine der prachtvollsterl Leistungen decorativer Kunst 4M). 
Die Anordnung selbst ist nach italienischer Weise etwas schwer, 
aber doch edel gehalten, und der Reichthum von zarten Details, 
von gewundenen Säulchen, durchbrochenem Blattwerk und andern 
plastischen und musivischen Ornamenten unvergleichlich. Ausser 
den Statuen der zwölf Apostel an der Attika neben dem Bogen 
des Madonnenbildes und einigen Reliefs aus dem Leben der Jung- 
4') Den Beweis dieses Verhältnisses haben die Herausgeber des Vasari 
II. 23 bis zur Evidenz geführt. 
H) Abbildungen des Reliefs mit der Präsentation und. einiger Köpfe 
vom Tode der Maria bei Cicognara tab. XXII. XXXIV. vollständigem von 
Paolo Lasinio gestochene Zeichnungen giebt das Werk: ll tabernacolo 
della Madonna dßrsanmichele mit Text von Masselli. Fir. 1851, gr. f. 
Ein Relief, Bildhauer und Architekten darstellend, vom Aeussern von Orsan- 
michele bei Didron. Ann. Arrh. XV. 112.
        

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