Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972827
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Plastik 
und 
Malerei 
in 
Florenz. 
gere König biegt sich scharf hinblickend vor, der andere hält die 
Hand vor Nase und Mund, der dritte wendet sich leichtsinnig ab. 
Neben ihmzeigt die eine der Damen lebendiges Mitleid, während 
die andere mit ruhigen reinen Zügen die Hand, vielleicht mit 
stillem Gelübde, auf die Brust legt. Dazu dann die rüstigen oder 
gleichgültigen Bewegungen der Diener. Selbst die Bosse, wie 
sie sich scheuen, oder abwenden, oder mit vorsichtiger Kühnheit 
den Kopf vorstrecken, sind ganz die feingebildeten, so edler Herren 
würdigen 'l'hiere. Bis in die unscheinbarsten Einzelheiten erstreckt 
sich die Gedankenfülle des Künstlers. Oben auf dem Berge, in 
nächster Nähe der Einsiedler sind die Thiere im tiefsten Frieden; 
weiter unten an der Grenze der bewohnten NVelt ist auch unter 
ihnen schon Krieg; der Fuchs hat den Vogel überfallen. Bei den 
Einsiedlern und Bettlern kommen noch die breiten Rücken und 
stumpfen Gesichtszüge der Schule Giottols vor; übrigens sind die 
Gestalten schlanker und in allen Bewegungen meisterlich gezeich- 
net. Zur Erklärung dieser tiefsinnigeil malerischen Dichtung sind 
an verschiedenen Stellen lnschriften und zwar wie sich auch bei 
andern Malern dieser Zeit findet, in italienischen Versen angebracht. 
Die Hölle hat wiederholt Uebermalungen, zum Theil sehr starke 
erlitten  die andern Theile beider Bilder sind dagegen sehr Wohl 
erhalten, aber in der Ausführung nicht so sorgsam, wie die Fres- 
ken in der Capella Strozzi, sondern kühner und roher behandelt. 
Dies mag indessen entweder durch eine veränderte Praxis des 
Meisters oder durch den Gebrauch von Gehülfen entstanden sein 
und giebt keinen Grund daran zu zweifeln, dass die originellen und 
geistreichen Compositionen wirklich von Orcagna herrührenidß). 
 Schon 1379 musste sie (wie ein von Bonaini entdecktes Dokument 
ergiebtQ hergestellt werden, weil die Knaben, durch die phantastischen 
Gestalten gereizt, sie beschädigt hatten. 1530 wurde sie vollständig und 
nun mit Veränderung ganzer Figuren übermalt. Vergl. die Anm. zum 
Vasari II. 127 und eine Zeichnung des ursprünglichen Werkes in Morrona, 
Pisa illustrata.  
W] Wie dies E. Förster, Beiträge S. 109 zu thun scheint.  Da Vasari 
(a. a. O. S. 128) auch noch eine Wiederholung dieser Pisaner Bilder von 
Andrea. selbst in S. Croce von Florenz kannte, in welcher Veränderungen 
und Porträts damals lebender florentinischer Notabilitäten angebracht waren, 
so kann man ihn hier um so mehr für gut unterrichtet halten.
        

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