Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972773
Andrea 
Orcagna. 
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und hatte das Verdienst, die Fortschritte, welche Andrea Pisano 
gemacht, aus der Bildnerei in die Malerei einzuführen. 
Von wem Bernardo, an den er sich als Maler anschloss, die 
Kunst gelernt, ist unbekannt; es kann sein, dass er aus der 
Werkstatt eines Meisters hervorgegangen], der noch am älteren 
Style festhielt i]. Indessen tragen schon die Gemälde, welche 
Vasari als das gemeinsame Werk beider Brüder bezeichnet, ganz 
giotteske Züge. Dazu gehören besonders die drei Wandge- 
mälde der Capella Strozzi in S. Mariainovella, das jüngste Gericht, 
das Paradies und die Hölle. Diese letzte, von den frühernSchrift- 
stellern am meisten erwähnt, weil sie sich getreu an Dante an- 
schliesst, ist in der That mehr eine Illustration des Gedichtes, als 
eine freie malerische Schöpfung, indem sie einenDurchschnitt des 
ganzen Höllenschlundes mit seinen verschiedenen durch Erdstreifen 
oder Mauern getrennten Abtheilungen giebt. Man hat sie daher in 
neuerer Zeit als des grössern Bruders unwürdig, dem Bernardo 
allein zuschreiben wollen; allein in der That ist keine wesentliche 
Verschiedenheit der Hände zu erkennen. Denn die kleinem Figuren 
in jenen Abtheilungen sind ungeachtet der schwierigenAufgaben, 
die Dante's Phantasie dem Maler stellte, sehr lebendig und mit 
überraschender Kenntniss des Nackten ausgeführtw). Freilich 
sind dann aber die beiden andern Wände sehr viel anziehender, 
das jüngste Gericht würdig und grossartig, das Paradies endlich, 
obgleich in der Anordnung einzelner Kreise von Heiligen kaüm 
minder steif wie die Hölle, mit einer solchen Fülle schöner und 
dabei individuell aufgefasster und vortrefflich modellirter Köpfe, 
nannt habe. Allein in der einzigen Inschrift eines Gemäldes, die wir haben, 
in der Capella Strozzi, sagt er ganz einfach: Andreas Cionis me pinxit, ohne 
seiner Eigenschaft als Bildner zu gedenken und wenn er sich auf dem 
Tabernakel von Orsanmichele pictor nennt, so ist das schon dadurch er- 
klärbar, dass er kurz vorher wirklich als Maler immatrikulirt war, also 
officiell dieser Kunst angehörte. Ueberdies war [wie unten näher erwähnt 
wird) auch das Gemälde des Tabernakels wahrscheinlich von seiner Hand. 
i") Das Madonnenbild in der Gallerie der kleinen Bilder in der Akademie 
Zu Florenz mit der Inschrift: Bernardus de Florentia pinxit h. op. anno 
Dei MCOCXXXII, welches, da kein anderer gleichzeitiger, einigeTmßSSeTl 
bedeutender Maler Bernardo bekannt ist, von ihm herrühren dürfte, zeigt, 
in seiner feingestrichelten Ausführung Anklänge des älteren Styls. 
"Ü Agincourt peint. tab. 119.
        

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