Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968692
Achtung 
der 
Wissenschaften. 
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alters, dass Niemand glaubte, durch seinen natürlichen Verstand 
ohne Berücksichtigung der Offenbarung und älterer Tradition zur 
gründlichen Einsicht zu kommen. VVer daher mit eignen Augen 
sehn wollte, musste die Wissenschaft, welche allein tiefere Ein- 
sicht gab, studiren und unzählige Jünglinge Italiens zogen zu die- 
sem Zwecke nach Paris. Noch weniger fehlte es an Begabung; 
wie in der vorigen Epoche Anselm und Lanfranc, stammen auch 
in dieser einige der berühmtesten Doctoren aus Italien, Petrus 
Lombardus, der Meister der Sentenzen, Thomas von Aquin, dessen 
Ansehn fast alle andern übertraf, der Mystiker Bonaventura u. A. 
Aber sie schlugen ihre Lehrstühle jenseits der Alpen auf, und die- 
jenigen ihrer Landsleute, welche gründliche scholastische Kennt- 
nisse in die Heimath mitbrachten, benutzten sie ausschliesslich zu 
praktischer Anwendung, entweder wie Innocenz III. im Interesse 
kirchlicher Theologie, oder wie Dante zur Abrundung seiner indi- 
viduellen Weltansicht. Der Streit der Realisten und N ominalisten 
fand in Italien kein Echo, die Gründung philosophischer Lehr- 
stühle hatte keinen Erfolg. Die italienische Luft War dieser ab- 
stracten Disciplin nicht günstig; wer hier lebte, kehrte bald wie- 
der auf den realen Boden der sinnlich-anschaulichen Welt zurück. 
Die Scholastik gedieh daher ebensowenig wie das Ritterthum; 
man hatte nur für die Realität der Dinge, nicht für die Absfractiou 
Interesse und Verständniss. 
Um so grössere Gunst erlangten dann die unmittelbar an- 
wendbaren Wissenschaften, die Medicin und besonders die Juris- 
prudenz. Hier gaben alte 'l'raditionen, angeborner Scharfsinn und 
besonders jene praktische Sinnesweise den Italienern eine unver- 
kennbare Superiorität. Das römische Recht war gleichsam ihr 
angebornes Erbtheil, selbst das germanische Lehnrecht, so wenig 
es in das Blut der Nation übergegangen war, hatte hier systema- 
tische Gestalt erhalten. Daher strömten denn die Ausländer hie- 
her als zu den Quellen juristischer Weisheit. Aber noch mehr 
war für Italien selbst die Jurisprudenz Bedürfniss, um die viel- 
fachen Verwickelungen, welche der Contlict der städtischen 
Rechte herbeiführte, zu lösen und die Verhältnisse aus ihren Ur- 
sprüngen zu erklären. Juristisch und antiquarisch gebildete 
Männer waren daher von allen Regierenden, an allen Höfen ge-
        

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