Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972684
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Gioftds 
Schule. 
und Wirklich sind die ihm zugeschriebenen [Fresken in den beiden 
ersten Orten noch grossenlheils erhalten und des ihm ertheilten 
Lobes werth. In Florenz ist zuerst die Capella di S. Silvestro in 
S. Croce zu nennen. Die die eine Seite füllende Geschichte Con- 
stantins ist zwar bewegt und ausdrucksvoll, aber doch nicht über 
das Maass der gewöhnlichen guten Arbeiten dieser Schule hinaus- 
gehend. Dagegen sind die beiden Gemälde der audern Seite in 
der That höchst ausgezeichnet. Zuerst eine Grablegnng Christi 
von tiefernstenl Ausdrucke, besonders das langgelockte Haupt des 
Heilandes vortrefflich, dann eine sehr eigenthümliche Composi- 
tiou, nämlich über dem Grabe des Messer Bettino de" Bardi, eines 
tapfern Kriegsmannes, sein Erwachen zum jüngsten Gericht, wo 
in einsamem Felseuthale Engel mit Posaunen die 'l'0dten rufen, 
während oben der VVeltrichter erscheint und der Verstorbene in 
voller Rüstung neben seinem Grabe andächtig betend kniet. Das 
ganze ausdrucksvolle Bild mit seinen wenigen Figuren und seiner 
schlichten, anspruchslosen Anordnung ist in der That wie ein ge- 
maltes Gebet, einfach demiitlnig,i1nzig, ganz im Geiste Gioltois 
und dabei mit besserer Keuniniss des Körpers. Die Krönung 
lllariä und einige andere Fresken der untern Kirche von Assisi, 
welche Vasari ebenfalls nennt, sind von gleicher lnnigkeit und 
vielleicht noch grösserer Anmnth. Ein überaus Vollendetes YVerk 
ist endlich das 'I'emperabild der Grablegung, einst in S. Remigio 
zu Florenz, jetzt in den Uflizien, indem hier neben der Tiefe des 
Schmerzes und der XVeichheit des Gefühls in den ruhigeren Ne- 
benpersonen, nalnentlich an einer blondgelockten Frau, welche 
knieend den Segen eines Bischofs empfängt, sich feinerer Schön- 
heifssinn und grössere Porträtwallrheit zeigt, als in dieser Schule 
einen Sohn Giottds hielten, da er den Beinamen Giottino nur wegen der 
geschickten Nachahmung Giottds "erhalten habe. Dies ist indessen an sich 
unwahrscheinlich, da wenigstens die Bilder, welche Vasari ihm zuschreibt, 
Giotto nicht näher stehen wie viele andere. Allerdings ist es bei unserer 
Annahme, dass er wirklich Giuttds Namen geführt, zweifelhaft, wodurch der 
Name Thomas in Umlauf gekommen, ob durch irgend einen lrrthnm oder 
weil er wirklich auf diesen Namen getauft worden. Indessen ist das Erste 
Wahrscheinlich, da in den noch vorhandenen Malerbiichern der Name Tomas 
nur bei andern Vätern, dagegen im Jahre 1368 ein Giotto di Maestro 
Stefans vorkommt. Vergl. die Anm. z. Vas. II. 139.
        

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