Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972571
Ihre 
Verbreitung 
und 
Fruchtbarkeit. 
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mittel, deren sie sich um so lieber bedienten, weil sie den Vorzug 
des Bekannten und Leichtverständlicheu hatten. Dies entsprach der 
scholastischen Bildung, die überall mit abgeschlossenen Begriffen 
operirte, ohne nach ihrem organischen Zusammenhange zu fragen, 
und wurde durch die damit zusammenhängende Vorliebe für die 
Allegorie unterstützt. Ich habe schon erwähnt, dass es ein Irrthum 
ist, wenn man Giotto als den betrachtet, durch den die allegorische 
Malerei eingeführt oder befördert wurde; er ergriff allerdings Auf- 
gaben dieser Art, wenn sie ihm gestellt wurden, mit seinem Feuer- 
geist und wusste sie anziehend zu machen, aber er suchte sie nicht 
auf und seine eigentliche Stärke bestand in dem Psychologischen. 
Erst lange nach ihm erreichte die allegorische Richtung ihre Höhe 
und während einige hervorragende Künstler ausgedehnte und tief- 
sinnige Bilder dieser Art schufen, fanden die geringeren, hand- 
werksmässigen Meister in den currenteil allegorischen Figuren 
und Reihen ein bequemes Mittel, sich einen Schein von Geistestiefe 
und Gelehrsamkeit zu geben, der vielen ihrer Beschauer imponirte 
und sie der Anforderung psychologischer Ergründung überhob. 
Dies alles gab ihnen bei voller Beibehaltung ihrer zünftigen 
Gewohnheiten ein höheres Selbstgefühl; sie betrachteten ihre 
Zunft als Bewahreriii eines geheimnissvollen Schatzes, als Ver- 
Walterin eines fast priesterlichen Amtes. Nach den hergebrachten 
Zunftverfassungen waren die Maler mit andern Gewerben zu einer 
Gilde vereinigtik); um die Mitte des XIV. Jahrhunderts aber ge- 
llügte ihnen dies nicht und sie traten nun zu besondern Gesell- 
Schaften, meistens unter dem Namen des h. Lueas, zusammen, 
welche ihre Mitglieder neben strengen Regeln für den ordnungs- 
mässigen Betrieb ihres Geschäftes, auch zurßeobachtung gewisser 
sittlicher Vorschriften und Andachtsübungen verpflichteten, und 
durch die pomphafte Fassung ihrer Statuten dazu beitrugen, die 
Begriffe von der Bedeutung ihrer Kunst zu steigern. Die Maler von 
Siena (1355) bezeichnen sich bei dieser Gelegenheit als durch die 
a] In Florenz gehörten sie sonderbarerweise zur Zunft der Apotheker 
(arte degli speciali] und die 1349 gebildete Malergesellsehaft bestand da- 
neben und schloss den Eintritt in die Zunft nicht aus. Vgl. die Statuten bei 
gaYe II. 32., der jedoch wie in der Note zum Vasari II. 182. nachgewiesen, 
"Tig die Jahreszahl 1339, statt 1349, angiebt.
        

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