Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968677
Frömmigkeit. 
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fange sehr schlecht; das begeisterte Volk übertrug meistens dem 
geliebten Prediger selbst das Sehiedsrichteramt oder gar die Herr- 
schaft in den streitenden Städten, wobei er denn die schnell erwor- 
bene Gunst eben so rasch verlor und vom Schauplatz abtrat, auf 
dem die unterbrochene Fehde von Neuem begann. Aber bei alle- 
dem beweisen diese Hergänge doch eine höchst lebendige und 
starke, wenn auch nicht durchbildete und stätige Religiosität des 
Volkes. 
Freilich 
machte 
die 
leidenschaftliche Reizbarkeit der Phan- 
tasie, welche sich hierin offenbart, nicht bloss für Wunder kirch- 
lichen Styles, sondern auch für abergläubischc Meinungen aller 
Art höchst empfänglich, und selbst die Aufklärung der Gebildeten 
reichte keineswegs hin, sie davor zu bewahren. Indessen unter- 
schied sich auch der Aberglaube der Italiener sehr wesentlich von 
dem der gleichzeitigen nordischen Nationen. WVährend diese 
hauptsächlich mit dem Teufel, also einem überirdischen Wesen 
zu thnn haben, das als Versucher auch wieder eine Beziehung 
auf die eigne Schuld des Menschen hat, beschäftigt sich die Phan- 
tasie der Italiener mehr mit Vorzeichen, mit bösen Geistern, die 
gewissen Regionen anhaften und also die Perscnilication ihres 
schädlichen Einflusses sind, mit geheimen Kräften der Dinge und 
allenfalls mit Zauberern und Hexen, welche sich diese Kräfte an- 
geeignet haben. Ihr Wahn ist mit einem Worte mehr natura- 
listisch und besteht grossentheils in abergläubischen Meinungen, 
welche schon die alten Römer gehegt und selbst auf der Höhe 
ihrer Bildung nicht abgelegt hatten, und die, gleich als ob sie am 
Boden hafteten, noch heute in Italien vorkommen. Die ausgebilde- 
teste Form solches Aberglaubens, die Astrol ogie, war grade in 
Italien unter den Vornehmen höchst verbreitet, mehr als damals 
in andern Ländern. Die Kirche betrachtete sie mit Misstrauen und 
duldete nicht, dass sie aufihr Gebiet übergritfär), und alle ein- 
ihn u. a. Raumer III. 645. Leo, Italien II. 258. Muratoxi Diss. 51 u. 78, und 
über einen der spätesten solcher Friedensstifter, den Fra Venturino von 
Bergamo (1334) Gio. Villani XI. c. 23. 
Ü Cecco d'Ascoli, der sich unterfing, auch Christus das l-Ioroseop zu stellen 
und daraus die Nothwendigkeit seines Kreuzestodes zu erweisen, wurde als 
Ketzer verbrannt.
        

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