Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972483
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Giotto. 
kneift und gewaltsam an ihrem Brustlatz zerrt, schon in's Unschöne 
übertrieben. Giottois Richtung war offenbar dem Epischen und 
der Frescomalerei günstiger, als der feineren Ausführung und der 
lyrischen Tendenz des Altarbildes. 
Neben seiner malerischen Thätigkeit müssen wir endlich auch 
seiner bildnerischen gedenken. Wie schon erwähnt, übertrug 
ihm seine Vaterstadt in seinem neun und fünfzigsten Jahre die 
Oberleitung ihrer Bauten, und er legte nun sofort eifrigHand anls 
VVerk, entwarf und begann den Aufbau nicht bloss des Campa- 
nile, sondern auch einer neuen Faeade für den Dom, weil die be- 
reits begonnene des Arnolfo neben den kräftigen Formen und 
Farben des Glockenthurmes kleinlich erschien, und projectirte für 
beide Werke eine reiche plastische Ausschmückung Nach Ghi- 
bertPs Angabe begnügte er sich hierbei nicht mitVorzeichnungen 
und Anordnungen, sondern formte und meisselte sogar die ersten 
Reliefs des Thurmes mit eigener Handf), eine Angabe, welche 
zwar nicht weiter erwiesen, aber auch nicht widerlegt und dem 
noch nahe stehenden berühmten Bildhauer zu glauben ist. Jeden- 
falls aber ist der Gedanke, welcher der plastischen Ausschmücknng 
beider Werke zum Grunde lag, von ihm angegeben und ein Be- 
weis seines tiefsinnigen Geistes. Von den Statuen der Faeade 
sind noch mehrere theils im Dome oder im Werkhause derselben, 
theils in verschiedenen Villen in und um Florenz erhalteniiiii). 
Ueber ihre Anordnung wissen wir nur, dass unten in Nischen 
neben dem Hauptportale die kolossalen sitzenden Evangelisten, 
in den spitzbogigen Bogenfeldern der Portale aber am mittlern 
Madonna mit dem Kinde zwischen Engeln und den Localheiligen 
Zanobius und Reparata, an den Seitenportalen die Geburt Christi 
und der Tod der Maria, Weiter oben dann zahlreiche Statuen, erst; 
1') Ghiberti a. a. 0. p. XIX. Le prime storie  nel1' edifizio de] 
eampanile  furono di sua mano scolpite e disegnati. Er fügt hinzu, 
dass er selbst die provedimenti (wie Vasari, der übrigens bIOSS Ghiberti 
abschreibt, sagt: die Modelli di rilievo) von Giotttfs Hand gesehen habe. 
w") Im Dome in den Kapellen des Chors die vier Evangelisten, im 
Werkhause eine kolossale Madonna mit dem Kinde, die h. Reparata u. A., 
sämmtlich im Style des XIV. Jahrhunderts, zum Theil des Andrea Pisano. 
Ueber die zerstreuten Statuen, welche zum Theil jünger sind, siehe Cicog- 
nara II. 159.
        

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