Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972475
Wandgemälde 
in 
Neapel. 
401 
Augen ist sehr anziehend, aber Christus, der ihr mit unglaublich 
langen Händen und in ungeschickter Bewegung die Krone auf das 
Haupt drückt, erscheint ziemlich matt und unbedeutend, und die 
Köpfe der Engel und Heiligen, alle mit derselben Bildung des 
Auges und demselben Ausdrucke Weicher, inniger, verehrender 
Stimmung, sind ungeachtet einer gewissen Mannigfaltigkeit der 
Haltung doch monoton. Die Zeichenfehler der Halbproiile fallen 
hier, wo das geistige Interesse Weniger gespannt ist, noch mehr 
auf. Bei den 26 kleinen Tafeln, welche in der Saeristei derselben 
Kirche die Thüren der Schränke schmückten und von denen jetzt 
20 in der Akademie zu Florenz bewahrt, zwei aber in das Ber- 
liner Museum gerathen sind, befand sichlGiotto mehr auf dem ihm 
zusageuden Gebiete. Er hatte nämlich das lieben Christi und das 
des h. Franciscus in ihren entsprechenden Momenten, also durch- 
weg geschichtliche Hergänge darzustellen, und that dies in der 
naiven und energischen Weise, die wir schon an seinen Fresken 
kennen gelernt haben, Wobei hier die kleinere Dimension die Ar- 
beit erleichterte, so dass die Zeichnung vollkommener erscheint. 
Ein anderes Tafelbild, eine thronende Jungfrau mit dem Kinde 
unter Engeln und Heiligen, welches aus Ognisanti in die Academie 
Zu Florenz gekommen ist, zeigt bei grossartigeren Formen das 
Bemühen, die Jungfrau voller, mütterlicher darzustellen, Wie wir 
es ähnlich bei gleichzeitigen pisanischen Bildhauern antreffenß). 
Auf einer kleineren Madonna mit Giottois ächter Namensinschrift, 
in der Brera zu Mailandw), ist diese naturalistische Tendenz 
bei der Bewegung des Christkindes, das die Mutter in dieWange 
"Ü Die angeblich aus S. Francesco in Pisa stammende, im Louvre be- 
fifldliche Tafel mit dem h. Franciscus, der die Stigmaten empfängt mit einer 
(Zweifelhaften) Namensunterschrift, ist roh und schwerlich von Giotto's Hand 
(Waagen K. u. K. W. III. 402), und die von Waagen in der Sammlung von 
Yollflg Ottley gesehene (a. a. O. 1.389) Tafel mit dem Tode Mariä, welche 
man für das von Vasari beschriebene, in Ognisanti befindlich gewesene und 
von Michael Angele bewunderte Werk Giottos gehalten und als solches in 
der Etruria Pittrice, bei Aginc. Taf. 114 und sogar noch bei Rosini publicirt 
hat, ist augenscheinlich viel später und wahrscheinlich von Fiesole (Vasari 
e- a. 0. s. 331). 
H) Nro. 125 d. Kat; bezeichnet Op. magistri Jocti de Florentia. Ur- 
sPfüllglich in S. Maria degli Angeli in Bologna, wo die Seitentafeln mit 
Engeln und Heiligen noch in der Pinakothek bewahrt werden. 
Vll. 26
        

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