Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972465
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Giotto 
Element, in welchem Giottois Stärke war, tritt hier mehr zurück, 
indessen sind die einzelnen Gestalten möglichst verschieden 
charakterisirt und zugleich ist die Ausführung weicher und voll- 
kommener. 
In N ea pel zeigt der geringe Ueberrest in der Kirche 
S. Chiara, eine sitzende Madonna mit dem Kinde, in ihrer Haltung 
sowohl als in der mehr vertriebenen Farbe und den schmachten- 
den, geschlitzten Augen, dass unser Meister im Laufe der Jahre 
den Ausdruck der Gefühlsweichheit mehr ausgebildet hat. Auch 
in der neuerlich aufgedeckten Freske im Refectorium dieses Klo- 
sters, Christus thronend zwischen sechs stehenden Heiligen und 
von vier knieenden Mitgliedern der königlichen Familie verehrt, 
fällt sowohl das Vorherrschen dieser Form der Augen, als der 
etwas übertriebene Ausdruck von Innigkeit in den Köpfen derAn- 
betenden auf, während die Auffassung der Heiligen grossartig ist, 
und, im Unterschiede gegen die mehr epischen Bilder, noch etwas 
an die ältere Schule erinnert k). 
Von den vielen Giotto beigelegten 'l'af'elbilrlern will ich nur 
die sichersten und bedeutendsten nennen. Sie stehen sämmtlich 
hinter den Frescobildern zurück. Das vorzüglichste ist das Altar- 
bild in der Capella Baroncelli in S. Croce zu Florenz, als Opus 
magis tri J octi von ihm bezeichnet, die Krönung Mariä umgeben 
von einer grossen Zahl dichtgedräugter kleiner Gestalten von 
Heiligen und anbetenden oder musicirenden Engelniktk). Die Aus- 
führung ist die allersorgfältigste, die Farbe licht und zart, weich 
verschmolzen, die Gewandung mit bestimmterer Andeutung des 
Körpers und schön geleiteten Falten. Der Kopf der Maria mit 
edelm, etwas länglichem Profil und schmalen, mildblickenden 
 E. Förster (D. Kunstbl. 1857 S. 149) glaubt darin die Hand des 
Simon von Siena zu erkennen. Die genaue Abbildung bei Schulz, Unter- 
italien Taf. 89-100 scheint dies nicht zu bestätigen, auch ist zu bemerken, 
dass nach den Rechnungsnotizen bei Milanesi S. 217 und 218 Simon in den 
Jahren 1337 und 1328, wo zufolge der dargestellten Mitglieder der könig- 
lichen Familie das Bild gemalt sein muss, und selbst mehrere Jahre vorher 
und nachher sich fortwährend in Siena aufhielt. 
u) Bei Agincourt Taf. 114 der Kopf der Maria durchgezeichnet nebst 
einer sehr mangelhaften Abbildung der Hanpttafel, bei Förster Beiträge Taf. IV. 
auch der Kopf des Christus.
        

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