Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972451
in 
der 
Unterkirche 
Zll 
Assisi. 
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war denn Giotto hier wieder auf Allegorien und zwar nicht bloss 
auf Personificationen, sondern auf allegorische Handlungen ange- 
wiesen. Man kann nicht sagen, dass er dabei grossen geistigen 
Aufwand getrieben habe. Das anziehendste und bekannteste die- 
ser Bilder ist das Gelübde der Armuth. Ich erwähnte schon frü- 
her, dass der in Dante's Versen ausgeführte Gedanke einer Ver- 
mählung des h. Franciscus mit der seit Christi Tode verlassenen 
Armuth keine neue Erfindung, sondern schon von dem Heiligen 
selbst ausgegangen war, indessen scheint Giotto sich nicht an 
andere klösterliche Traditionen, sondern an die Darstellung des 
Dichters gehalten zu haben. Der Hergang ist in eine gothische 
Halle verlegt. Christus vollzieht die Vermählung, welcher Engel 
als Zeugen und Gäste beiwohnen, während die Verspottlmg, 
welche die Braut seit Christi Tode 1100 Jahre gelitten, durch die 
lebendige Bewegung eines sie anbelleildenHundes und höhnender 
Buben, und der Gegensatz zwischen den Brüdern, welche dem 
Heiligen nachfolgend ihr Eigenthum den Armen geben, und den 
Reichen, welche dieEinladung abweisen, durch mehrere Personen 
dargestellt ist. Bei den beiden andern Gelübden lagen keine so 
günstigen Motive vor und der Künstler musste sich durch Her- 
beiziehung allegoriseher Figuren helfen. Bei dem "Gehorsam" 
legt ein Engel, indem er mit der einen Hand den Mund zum Zei- 
chen schweigenden Gehorsams schliesst, mit der andern das Joch 
auf den Nacken des vor ihm liegenden Heiligen; Brüder, welche 
durch diese Demuth zur Nachfolge gereizt werden, anbetende 
Engel, und endlich ein Centaur, das Sinnbild roher Willkür, der 
klagend und erschreckt sich abwendet, vollenden das Bild. Die 
alieuschheit" ist als eine Jungfrau dargestellt, die in einer festen, 
Wohlvertheidigten Burg, von Engeln angebetet, thront. Reinigung 
im Bade der Taufe, Geleitung durch die Reinheit und Stärke sind 
Vorbereitungen für eine Schaar, welche S. Franciscus der Burg 
zuführt, während Tod und Teufel fliehen und die profane Liebe 
in Gestalt eines bockfüssigen Amors von dem Einsiedler "Busse" 
verjagt wird. Das vierte Bild ist einfach; der Heilige im gold- 
durchwirkten Diaconengewande (weil seine Demuth die höheren 
Weihen ablehnte] auf reichem Throne sitzend, wird von Engels- 
Schaaren mit Gesang und Musik verehrt. Jenes psychologische
        

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