Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972449
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Giotto 
Lebensgeschichten, von denen nur noch je eines erhalten ist. Zuerst 
das Gastmahl des Herodes, bei dem die Tochter, eine zarte, ju- 
gendliche Gestalt, noch nicht, wie bei späteren Malern, einen ra- 
schen Tanz ausführt, sondern eine Art Lyra im Arme einher- 
schreitet, wobei sie von zwei jungen Hofleuten mit augenschein- 
lichem Wohlgefallen betrachtet wird. Noch bedeutender ist das 
andere Bild, der Tod des Evangelisten. Als er, so erzählt die 
Legende, neunzigJahre altwar, erschien ihm derHerr und sprach: 
Komme, Geliebter, zu mir, weil es Zeit ist, dass du an meinem 
Tische mit deinen Brüdern speisest. Johannes wollte sogleich 
folgen, aber der Herr sprach: Am Sonntage wirst du zu mir 
kommen Da versammelte sich denn am Sonntage alles Volk in 
der Kirche und vom frühen Morgen an predigte der Greis, er- 
mahnte sie , im Glauben und in der Liebe zu bleiben, liess dann 
am Altare eine Grube graben, in die er hineinstieg und darin 
betete, worauf endlich helles Licht ihn den Augen der Menge ver- 
barg, nach dessen Verschwinden die Grube leer, aber mit einer 
fliessenden Mailnaquelle gefunden wurde. Die dichtende Phantasie 
des Malers hat ergänzt, was jenes Licht verhüllte; Christus und 
die Apostel biegen sich vom Himmel her dem greisen Apostel, 
der den Tod nicht schauen sollte, entgegen, während er selbst 
sich leicht und ohne gewaltsame Bewegung hebt, und das Volk 
mit mannigfachem Ausdrucke der 'l'heilnahme, Verwunderung, 
Freude ihm nachblickt  
Die Fresken in der untern Kirche von Assisi über dem 
Grabe des h. Franciscus werden wahrscheinlich bald nach dem 
Bekanntwerden der göttlichen Comödie, etwa in den Jahren 
1314-1322 ausgeführt sein, da bei dem einen derselben der 
Maler offenbar Dante's Verse im elften Gesange des Paradieses 
vor Augen hatte. Die Aufgabe bestand darin, das Gewölbe über 
dem Grabe des Heiligen zu seiner Verherrlichung und zwar in 
der Art zu benutzen, dass er als Muster in der Erfüllung der von 
den Ordensbrüdern abznlegenden Gelübde gezeigt würde. So 
Ü Fragmente der Frescogemälde aus der Geschichte Johannes des 
Täufers, welche Giotto in der Kirche del Carmine zu Florenz malte, fand 
Waagen in der Liverpool-Institution und beim Dichter Rogers. K. u. K. 
W. I. 406, II. 390. Vas. a. a. O. S. 314.
        

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