Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972416
in 
der 
Arena 
ZU 
Padua. 
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möglich; dieTugenden sind zwar bei ihm noch sämmtlich Frauen, 
aber nicht jene ruhigen, jugendlichen Gottheiten, sondern meistens 
reifere, mit schweren Gewändern bekleidete, mit oft dunkeln, 
meist neu erfundenen Zeichen ihrerWirksamke-it fast zu reichlich 
ausgestattete Gestalten. Nur die Spes macht eine Ausnahme, in- 
dem sie, als geflügelte zarteJungfrau leicht emporscliwebend, die 
Arme sehnsüchtig der Krone entgegenstreckt, welche ein Engel 
von oben her bringt. Auch die Caritas, die er im Sinne christli- 
cher Wohlthätigkeit aufgefasst hat, ist eine im Ausdrucke des 
Gesichts und in der lebhaften Bewegung liebenswürdige Gestalt, 
welche wirklich die innere Wärme ausspricht, die an ihrem 
blumenbekränzten Haupte in kleinen Flämmchen angedeutet ist. 
Aber Fides mit priesterlicher Tracht und einer wunderlichen 
spitzen Tiara, Temperantia, die, ihres Schenkenamtes beraubt, nun 
durch den Zügel im Munde und das zugebundene Schwert in ih- 
rerHand bezeichnet ist, Fortitudo, eine stämmige Person, die über 
einer faltenrcichen Tunica einen vollständigen Harnisch und ein 
Löwenfell trägt und sich durch einen Schild von kolossaler Höhe 
gegen die Pfeile der Gegner schützt, sind schwerfällige, durchaus 
nicht anziehende Erscheinungen. Noch matronenhafter ist Pru- 
dentia, die, in einem Schreibstuhle mit dem Griffel in der Hand 
sitzend, in den Spiegel sieht und statt des Hinterkopfes ein zwei- 
teS, männliches Antlitz hat. Die Justitia endlich ist ebenfalls sitzend 
dargestellt, eine gekrönte Gestalt in einer offenen gothischen Halle, 
iIl ihren Händen Schalen haltend, die eine mit einem Engel, der 
dßll Kranz lohnend verleiht, die andere mit einem Diener des 
Rechtes, der dem schon gebunden knieenden Uebelthäter die Strafe 
verhängt. Hier aber löst sich die Allegorie schon auf, um der 
Wirklichkeit zu weichen, indem am Fusse des Thrones in einem 
Friese die Wirkungen der Gerechtigkeit, nämlich die Segnungen 
des Friedens, Sicherheit der Strassen und des Gewerbes ent- 
Wickelt sind. Und damit ist Giotto auf das ihm Zusagende ge- 
kßmmen; lässt er beiden Lastern jene ältere Art der Allegorie, die 
blosse Personification, ganz fort, und giebt nur wirkliches Leben 
und zum Theil in meisterhaft charakteristischer Auffassung. Zum 
Theil sind die Vertreter der Laster gradezu Menschen, die sich ihnen 
hingegeben haben; so die Verzweiflung (Desperatio) eine Frau,
        

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