Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968656
Verhältnisse 
Zlll" 
Kirche. 
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Kirche unterwerfen Würde, mit einem schimpflicheti Begräb: 
Bisse  Man kann nicht sagen, dass die Päpste oder auch nur 
die Mehrzahl der Geistlichen diese Missachtung verschuldet hat- 
ten; im XII. und XIII. Jahrhundert waren jene meist bedeutende, 
von ihrer Mission erfüllte Männer, standen diese unter strengerer, 
wenigstens den äussern Anstand wahrender Disciplin. Zum Theil 
war es die Nähe des heiligen Stuhles und die dadurch unvermeid- 
liche Einmischung desselben in weltliche Händel, Welche ihm den 
Nimbus entzog, den er in den Augen entfernter Völker hatte, 
hauptsächlich aber jener antike Sinn, welcher die Religion alS 
etwas Persönliches, und das politische oder bürgerliche Recht als 
etwas davon Unabhängiges, Ursprünglicheres ansah. Man schied 
früher als im Norden Kirche und Religiosität, und hielt es für 
bürgerliche oder staatsmännische Pflicht, jener bei rechtlichen 
Contlicten mit der äussersten Gleichgültigkeit entgegenzutreteu, 
ohne darum weniger fromm und christlich gesinnt zu sein. Es 
mag sein, dass bei den Gebildeten eben vermöge ihrer überwip- 
gend praktischen Verstaudesrichtung und Aufklärung ketzerisc 1c 
philosophische Ansichten oder doch eine innere Lauhcit gegen die 
Kirche hier häuiiger vorkam, als im Norden. Dante lässt viele nann- 
hafte und angesehene Personen als Ketzer in der Hölle büssen, 
Yillani spricht von zahlreichen „Epicuräern" in Florenz, und 
Petrarca beschuldigt die Philosophen seiner Zeit, dass sie "gegen 
Christus und seine Lehre anbellten". Aber er scheint in dieser 
Stelle in der 'I'hat nur von einigen Freigeistern in Venedig zu 
sprechen und jedenfalls darf man diese Aeusseruug des XIV. noch 
nicht auf das XIII. Jahrhundert beziehn. Das Vaterland des h, 
Franciscus, des Thomas von Aquino und des milden und demü- 
thigexi Kardinals Bonaventura konnte unmöglich unkirchlich sein, 
und das rasche Gedeihen der Bettelorden, die stets Wachsenden 
Reichlhümer der Kirche und die Schaaren der Pilger, welche zu 
den Jubelfeiern nach Rom strömten, um sich Ablass zu gewinnen, 
und deren Stimmung Giovanni Villani theilte und so schon schil- 
derte, beweisen, dass jene Heroen mönchischer Frömmigkeit 
keineswegs Ausnahmen waren. Die öffentliche Meinung war 
Raumer, 
Gesch. 
Hohenstaufen (i. 
34g
        

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