Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972312
Charakteristik 
seines 
Styls. 
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sind noch sehr conventionell , mehr Andeutungen landschaft- 
licher Begriffe, als wirkliche Natur, die Gebäude zwar ziemlich 
genau gezeichnet, mit augenscheinlicher Vorliebe für den damals 
herrschenden gothischen Styl, aber dabei im Vergleich zu den 
Figuren immer zu klein und in mangelhafter Perspective. Seine 
Gewandung unterscheidet sich zwar vortheilhaft von der der älte- 
ren Meister; während diese Falten und Striehlagen häuften und 
die tiefen und hohen Stellen des Körpers gleichmässig bedeckten, 
giebt er vielmehr grosse inlgebrochene lichte Massen, neben denen 
dann an den Rändern einzelne, meist geradlinige, jedenfalls ein- 
fache und im Wesentlichen der Körperhaltung entsprechende 
Falten herlaufen. Aber diese breiten Massen sind einfacher als, 
in der Natur und lassen den Körper nicht genügend durchfühlen. 
Die italienischen Beurtheiler entschuldigen die Mängel und erklä- 
ren die Vorzüge der Gewandung gewöhnlich durch Studien nach 
antiken Bildwerken, welche sie Giotto zum Verdienste anrechnen. 
Allein gewiss mit Unrecht, höchstens wird man einen Einfluss 
der schweren Gewänder Niccolifs annehmen dürfen , Welche 
Giotto mit klngem Sinne vereinfachte, und die ihm so, wie wir 
Später sehen werden, andere V orlheile gewährten. 
Alle diese Mängel setzten dann die modernen Kunstforscher 
in Verlegenheit. Da sie alle Eigenschaften, auf die sie Werth zu 
legen pflegten, vermissten, glaubten sie seinen Ruhm vorzugs- 
weise der Gedankentiefe seiner Compositionen, namentlich seiner 
Allegorien zuschreiben, oder gar aus äusserlichen Gründen, etwa 
durch die Erfindung gewisser technischer Vortheile, namentlich 
einer bequemeren Farbenmischung, durch seine zufällige Erwäh- 
nung bei Dante und endlich durch die Vorliebe der Florentiner 
für ihren Landsmann erklären zu miissenk). Allein die Gedanken 
Ü Rumohi-"s wunderliche Ansicht über Giotto (Ital. Forsch. II. S. 39 H.) 
hat ihren Ursprung zum Theil in seinem Widerspruchsgeiste, der durch eine 
allerdings schiefe, unter den damaligen deutschen Malern in ltalien herrschende- 
Auffassung Giottds gereizt war, zum Theil aber auch darin, dass er, ein 
50 feiner Kunstkenner und Kritiker er war, entschieden mehr Sinn für die 
sorgfältige Ausführung von Tafelgemälden, als für Wandmalereien hatte, 
Während Giottcfs Grösse ausschliesslich in diesen zu erkennen ist. Nur 
dadurch erklärt es sich, dass er der wundervollen Gemälde in der Arena 
zu Padua, die damals eben so gut erhalcen waren wie jetzt, nur mit einem. 
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