Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972221
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Italienische 
Plastik. 
dazu dient, in seinem Wipfel den thronenden Weltrichter zu tra- 
gen, ein müssiger, nur der Symmetrie halber beibehaltenerZusatz 
ist. Der ganze Gedanke dieser Anordnung ist nicht grade glück- 
lich zu nennen; die weichen Linien der Baukengeivinde Wider- 
sprechen dem architektonischen Gesetze, das hier herrschen 
müsste, die Fülle der kleinen Figuren ist, besonders auf den 
beiden mittleren Pfeilern, verwirrend. Ist man dagegen zu den 
Einzelheiten durchgedrungen, so entdeckt man eine Fülle des 
Schönen und Bedeutender). Auf dem ersten Pfeiler, bei der Dar- 
stellung der Schöpfungsgeschichte zeigt sich der Meister in der 
ganzen Kühnheit seiner Phantasie. Er geht gradezu auf die tief- 
sten Mysterien dieser grandiosen Hergänge ein. Man sieht selbst 
das: Es werde Licht! mit einer mystischen Andeutung über die 
verschiedene Wirksamkeit der drei Personen der Trinität, wobei 
er Christus als den eigentlichen Demiurgos zu behandeln scheint. 
Die Scheidung des Festen und des Wassers, die Erschaffung der 
Pflanzen und der 'l'hiergeschlechter sind flüchtig, aber verständ- 
lich angedeutet. Bei den ersten Aeltern ist die Behandlung des 
Nackten besser, als sonst bei unserm Meister; Eva ist anfangs 
von lieblichster Anmuth und Unschuld, Adam kräftig und wohl- 
gebildet, erst später tritt wieder die Ueberladung mit Muskeln 
und Knochen ein, die aus dem Ansprüche auf Vollständigkeit bei 
mangelhafter Kenntniss entsteht. Gott hat zwar noch entweder 
die unsichere Haltung des byzantinischen Styles oder einen Aus- 
druck zu heftiger Gewaltsamkeit, aber die Motive seiner Gesichts- 
züge und Bewegungen sind alle sprechend und von grossartiger 
Einfachheit, und die Engel, welche anbetend, bewundernd, prei- 
send den einzelnen Schöpfungsmomenten beiwohnen, von edel- 
ster Bildung und Haltung. Das Schönheitsgefiihl ist vielleicht bei 
diesen Gestalten nicht völlig befriedigt, aber in Beziehung auf 
Ausdruck übertreffen sie alles, was die italienische Kunst, selbst 
in der leichteren Technik der Malerei, bisher geleistet hatte. Die 
Reliefs des zweiten Pfeilers sind von geringerer Hand. Sie schei- 
nen sich durchgängig auf die Propheten zu beziehen, die man in 
grosser Zahl mit ihren Spruchbändern herumwandern sieht, und 
aus deren Schriften man einige Hergänge erkennt, z. B. den Esel 
Bileam's, die Salbung des Sohnes IsaPs, das Gebet des Herrn,
        

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