Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972207
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Italienische 
Plastik. 
steif; der in eben so natürlicher wie würdiger Haltung liegende 
Verstorbene dagegen und die beiden, auch hier wieder ausdrucks- 
voll bewegten Engel sind sehr vortrefflich 
ln Beziehung auf Gedankentiefe und Figurenreichthum Wer- 
den alle diese Werke von den Reliefs übertroffen, welche amDome 
von Orvieto k) die vier Pfeiler der Faqade zwischen den drei 
Portalen bedecken und, obgleich von verschiedenen Händen aus- 
geführt, von Einem Meister erfunden sind, und keinem andern 
mit solchem Rechte zugeschrieben werden können, als dem Gio- 
vanni Pisano rät). 
Der innere Zusammenhang ist der, dass der erste Pfeiler die 
Schöpfungsgeschichte bis auf Noah, der zweite die Zeit der Pro- 
pheten, der dritte die Geschichte Christi, der vierte endlich das 
jüngste Gericht enthält. Die Anordnung ist bei allen dieselbe, in- 
dem aus dem Boden der untersten Darstellung eine dem Stamme 
eines Baumes ähnliche Arabeske senkrecht aufwächst, deren nach 
beiden Seiten symmetrisch sich erstreckende Zweige dann die 
folgenden Hergätlge tragen. An den beiden mittleren Pfeilern 
ist dies am vollständigsten und mit offenbarer Anlehnung an die 
bekannte Darstellung des Stammbaumes Jesse geschehen, indem 
der Baum auf beiden wirklich aus einem liegenden Erzvater auf- 
steigt, und in seinem Stamme dort die Reihenfolge der Prophe- 
ten, welche von der Jungfrau und dem Messias geweissagt ha- 
ben, hier die Könige, von denen Blaria und Christus abstammen, 
1') Vergl. vor Allem das treffliche Kupferwerk von Ludwig Gruner, 
Die Basreliefs an der Vorderseite des Doms von Orvieto, Leipzig 1858. 
Einen Theil dieser Reliefs giebt schon, freilich in sehr karikirter Zeichnung, 
der Padre della Valle in seinem grossen Werke über diesen Dom, aus 
welchem die kleinern Nachbildungen bei Agincourt und Cicognara entlehnt sind. 
W] Der Padre della Valle nimmt Arnolfds Wirksamkeit an, allein grade 
von dessen Styl, soweit wir ihn kennen, entfernen sich diese Seulpturen, 
und Arnolfcfs Namen kommt ebensowenig wie der des Giovanni in den 
Urkunden von Orvieto vor. Dass Pius II. in seinem Cornmentar die Sculp- 
turen der Faeade von Orvieto vorzüglich Seneser Künstlern zuschreibt, 
kann als eine unbestimmte Angabe, die sich an die richtige Thatsache ihrer 
vielfachen Beschäftigung an diesem Dome knüpft, kein Bedenken erweckerh 
zumal da der Papst noch das Interesse hatte, die Verdienste seiner Lands- 
laute lierauszuheben.
        

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