Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972187
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Italienische 
Plastik. 
wahrheit den Meister in gewissem Grade über die Grenzen 
des Schönen und seines bildnerischen Vermögens hinausführt. 
Die nackten Gestalten sind, ganz im Gegensatze gegen die einfache 
und gesunde Auffassung N iccolifs und Arnolfo's, oft mit Mus- 
keln und harten Andeutungen des Knochengerüstes überladen, 
die bekleideten oft mit unschön gebrochenen Linien der Gewan- 
dung, die Dimensionen bald zu lang, bald zu kurz, die Bewegun- 
gen übertrieben und gewaltsam. 
Schon an dem ersten seiner uns bekannten selbstständigen 
Werke, an dem Altar von Arezzo, erscheint seine künstle- 
rische Eigenthümlichkeit ganz entwickelt. Die architektonische 
Anordnung ist zwar, wie immer in der italienischen Gothik, et- 
was schwer, aber doch so eingerichtet, dass die zahlreichen 
grösseren und kleineren Statuen, Halbtiguren und Reliefs aus der 
Geschichte der Jungfrau und der Localheiligen, dem Raume sich 
wohl anfügen, und diese figurenreichen Compositionen mit ihrer 
grossen dramatischen Lebendigkeit und der ausführlichen An- 
deutung des Hintergrundes sind vortrefflich gelungen und bilden 
eine wichtige neue Erscheinung in der italienischen Kunst?) Bei 
der Kanzel von S. Andrea in Pistoj a, deren sechseckige An- 
lage ganz der des väterlichen Werks im Pisaner Baptisterium 
gleicht, ist die Fülle der Sculpturen schon fast zu gross, so dass 
sie dem Ganzen in architektonischer Beziehung einen unruhigen 
Charakter giebt, aber dafür ist auch die Kraft des tragischen 
Ausdruckes gestiegen und namentlich bei dem Kindermorde und 
bei den Frauen am Kreuze wahrhaft ergreifend. 
Von einer andernSeite zeigt sich der Meister in dem liebens- 
Würdigsten seiner Werke, in der Statue, welche zwischen zwei 
Engeln in dem Spitzbogen über einem der Scitenportale des 
Fl orentiner Domes steht. Eine schlanke, jugendliche Gestalt 
mit eher kleinem, aber wohlgebildetem Kopfe trägt sie das leh- 
rende göttliche Kind leicht auf dem linken Arme, und erhält da- 
durch, indem sie mit dem grossen Auge fest auf dasselbe hinblickt 
 w) Cicognara giebt Taf". XVIII. aus diesem Werke den Tod der Maria 
und eine Statuettye, Taf. XVI. zwei Statuen von der Kanzel des Domes zu 
Pisa, Taf. X. die Madonna vom Dome zu Florenz, Taf. XX, das Grabmal 
2.115 
Perugia.
        

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