Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972098
Dante's 
Kunstausichtexl. 
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dern auch andere Künstler bei der Arbeit beobachtet hatte, und der 
es auch in seinem Gedichte liebte, die Wiahrnehmungen, die er 
dabei gemacht, die Gedanken, zu denen er angeregt war, mitzu- 
theilen. Er setzte also auch bei seinen Lesern wenigstens so viel 
Interesse für die Kunst voraus, dass sie diesen feinen Bemerkun- 
gen folgen könnten und sie gern hören würden. Noch wichtiger 
ist, dass wir daraus ersehen, dass auch die Künstler ungeachtet 
ihrer zünftigen Stellung sich schon weit über das Handwerk 
erhoben hatten. Dante spricht es als eine bekannte Erfahrung 
aus , dass die Leistung oft der künstlerischen Intention nicht ent- 
spreche, weil die Materie zu träge sei; er Weiss sogar, dass der 
Künstler sein letztes, höchstes Ziel niemals erreichefc); er setzt 
also und zwar als Regel, nicht als Ausnahme, Künstler voraus, 
die, Weit entfernt, sich mit stumpfer Wiederholung überlieferter 
Form zu begnügen, sich ein Ideal bildeten, dem sie nachstrebten. 
Es wäre interessant, Näheres über den Ursprung dieses 
Ideals zu erfahren. Nach Danteis Theorie, die sich aus mehreren 
Stellen ergiebt, kennt er drei Stufen der Schönheit: zuerst die der 
göttlichen Ideen, dann die der Natur, endlich die der Kunst. 
Denn die Natur bleibt hinter den Ideen zurück; sie gleicht darin 
einem Künstler, der die Kunst versteht, aber eine zitternde Hand 
hat. Noch mehr aber die Kunst; denn selbst der ausgezeichne- 
ieste Künstler erreicht die Natur nicht Ob dies nun dadurch 
entsteht, dass er jene Ideen bloss durch die Natur keimen lernt, 
also nur das Abbild des Abbildes giebt, oder 0b er die Aufgabe 
hat, sich auf geistigem VVege zu den Ideen emporzuschvvingen, 
und dabei nur noch mehr zurückbleibt, als jene erste Bildnerin, 
ist nicht ausdrücklich gesagt. Indessen ist das Erste Wahrschein- 
licher und Naturwahrheit so sehr das Haupterforderniss, dass sie 
Selbst an gewissen nicht von Menschenhänden gemachten, son- 
dern von Gott geschaHenen Bildwerken, dieDante auf dem Läute- 
Tllngsberge sieht, als ihr höchster Vorzug gepriesen wirditöpii). 
Ü Parad. I. 126. XXX. 83. Seine Schilderung Beatrices bleibe soweit 
hinter ihrer wahren Schönheit zurück, come alP ultimo suo ciascun artista. 
 Parad. VIII. 76. Purg X. 31. Die von Gott geschaffenen Bildwerke 
übertreffen nicht blos Polyelet, sondern selbst die Natur. 
III) Der Engel auf der Verkündigung ist so lebendig, dass man das 
Alle Zu hören glaubt u. s. w. Purg. X. 62. XII. 64.
        

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