Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972071
Sechstes 
Kapitel. 
Giovanni 
Pisano 
und 
Giotto. 
schon lange bevor Ducci0's Bild unter dem Zujauchzen des 
Volkes von Siena seinen Einzug in den Dom hielt, noch bei dem 
Leben sowohl Niccolols von Pisa als Cimabuäs hatten andere 
Künstler eine neue Schule begründet, welche die Gemüther so be- 
herrschte, dass selbst jenes Meisterwerk kaum beaehtet wurde, 
Wenigstens keinen bemerkbaren Einfiuss auf den Gang der Kunst 
ausübte. Bedenkt man die Kürze des Zeitraumes, seitdem Niccolö 
und Cimabue aufgetreten waren, und die hohe Schönheit, die, wie 
eben Duccio beweist, auf diesem Wege zu erreichen war, so muss 
man über diesen schnellen Wechsel erstaunen. Bei gewissen äl- 
teren Kunsthistorikern war es hergebracht, bei solchen Gelegen- 
heiten sich in Klagen über die Veränderlichkeit der Menge und 
die Ruhmsucht der Künstler zu ergiessen; sie hielten es für die 
Aufgabe der Kunst, nach einem für alle Zeiten gültigen Schön- 
heitsideale zu streben, und mussten daher, wenn sie Rückschritte 
auf diesem Wege wahrzunehmen glaubten, dieselben menschlicher 
Schwäche und Thorheit zuschreiben. Die Neueren erkennen 
zwar an, dass die Kunst nicht so isolirt da stehe, sondern an dem 
geistigen Volksleben Theil nehme und demselben folgen müsse; 
aber es giebt doch Fälle, wo es ihnen schwer wird, die Gründe 
solches WVechsels zu verstehen, und gerade der vorliegende ge- 
hört dazu. 
Und dennoch kennen wir diese Gründe gerade hier so genau 
wie selten. Im Allgemeinen ergeben sie sich schon aus dem Gange 
der politischen Geschichte. Den ersten Generationen nach der Fest- 
stellung republikanischer Ordnung, welche den Gegensatz gegen 
die vorhergegangene Anarchie noch fühlten und sich der Strenge 
einfacher Sitten und den Gesetzen ihrer Stadt freudig unterwerfen, 
genügte jene etwas fremdartige und feierliche Schönheit der
        

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