Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968624
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Italien 
im 
XIII. 
Jahrhundert. 
setzte man bei allgemeinen Steuern die zur Ausschreibung der- 
selben berufene Commission aus Mitgliedern beider Parteien 
zusammen, damit jeder von seinen Genossen geschätzt werde. 
In Modena bedrohte man sogar am Ende des zwölften Jahrhun- 
derts, da die Stadt sich guelüsch hielt, denjenigen mit Strafe, 
welcher gewisse Aemter annehme, ohne zur gueliischen Partei 
zu gehören  Natürlich konnte dabei nicht von Gesinnung die 
Rede sein, die kaum nachweisbar gewesen wäre, sondern nur 
von einer officiellen Erklärung, welche das Schicksal dessen, der 
,.sie abgegeben, an die Interessen der Partei band. 
Betrachtet man das beständige Wogen dieser innern und 
äussern Kämpfe, die kleinlichen, oft dnnkeln Ursachen der Streitig- 
keiten, den steten Wechsel von Bündnissen, Verträgen und Ver- 
fassungen, dabei die Leidenschaftlichkeit, Ungerechtigkeit, ja oft 
barbarische Grausamkeit der Streitendeil, so scheint dies auf Zu- 
stände zu deuten, die von jener frühem Anarchie sich wenig 
unterscheiden. Allein bei näherem Hinblick sind sie keineswegs 
so schlimm. Die Kriege sind weder sehr blutig noch sehr ver- 
heerend, die inneren Unruhen vorübergehende Störungen, die 
meistens nur einzelne Personen oder Klassen treffen, und übrigens 
sind die Verhältnisse so wohl geordnet, dass sie nach solchen 
Erschütterungen sich sogleich herstellen, der Verkehr fast un- 
unterbrochen seine sichern Wege geht, und Wohlstand und 
geistige Bildung fortwährend steigen. Schon während der Kreuz- 
züge im XII. Jahrhundert gaben deutsche, französische, englische 
Schriftsteller den Italienern das Lob der Klugheit, Vorsicht, 
ltlässigung vor den andern abendländischen Nationen und hielten 
sie für den Verkehr mit den Orientalen und für alle vorbereitenden 
Maassregeln dem Heere unentbehrlich. Und diese Klugheit be- 
währten sie auch weiterhin im Handel, sie wussten nicht bloss 
die Vortheile, welche ihre geographische Stellung ihnen bot, 
vollständig auszubeuten, sondern sie wurden sehr frühe die Ban- 
qniers für das ganze Abendland und die einzigen, Welche Geld- 
geschäfte im Grossen trieben. 
Auch in Beziehung auf innere Regierung ist es ausser Zwei- 
fel, dass sie den übrigen Abendländern weit vorausgingen, nicht 
m) Muratori, Diss. 46.
        

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