Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968612
Guelfen 
und 
Ghibellinxexl. 
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schlossen sie sich ganz von selbst durch das Bedürfniss der Unter-ß 
Stützung zu zwei Gruppen zusammen, die dann wieder vermöge 
jener Parteinamen bei Auswärtigen Hülfe suchten f). Daher 
kommt es auch, dass die Parteistellung gar nicht oder äusscrst 
wenig von individuellen Gesinnungen abhängt und also nicht mit 
den Generationen wechselt; sie ist völlig das, was man bei neuern 
Staaten eine erbliche oder natürliche Politik nennt. Wohl aber 
trat ein vorübergehender Wechsel ein, wenn sich ein Mal die In- 
teressen änderten. Eine Stadt geht zur andern Partei über, wenn 
die derselben angehörigen, bisher unterdrückten Familien zur Ge- 
walt kommen, und eine gueltische Familie, Welche durch die 
Unterstützung dieser Partei zur factischen Alleinherrschaft in der 
Stadt gekommen ist, bedarf der kaiserlichen Bestätigung und 
Wird deshalb ghibellinisch. Bei einer streitigen Kaiserwahl ist 
jedes Mal der eine der Prätendenten guelfisch, Während der Papst 
ghibellinisch wird, wenn das Oberhaupt der gnelfischen Partei 
ihm gefährlich scheint. Aber alle solche Abweichungen sind nur- 
vorübergehend und man lenkt bald wieder dahin ein, wohin das 
bleibende Interesse führt. Jene Parteinamen sind also eigentlich 
nur der Ausdruck des allgemeinen Parteitreibens, sie sind nur ein 
Mittel, die Einzelinteressen auf eine Regel, auf einen einfachen 
Dualismus zurückzuführen und so übersichtlicher zu machen. 
Häufig wurde es in den Städten vorgeschrieben, dass jeder Bürger 
sich für eine beider Parteien erklären müsse, was schon deshalb 
nöthig war, da oft Rechte und Verpflichtungen gradezu an die 
Parteistellung geknüpft waren. In 'l'oscana war die Unterschei- 
dung dadurch erleichtert, dass die im Ganzen hier überwiegende 
gnelfische Partei eine anerkannte Corporation bildete, deren Mit- 
glieder Beiträge zu einer gemeinschaftlichen Kasse zahlten, und 
sich durch Kleidung und Haartracht, ja selbst durch die Art, wie 
sie das Brod schnitten, von ihren Gegnern unterschieden. Aber 
auch sonst War die Parteistellung etwas Offenes und Thatsäch- 
liches. Häulig legt die zur Herrschaft gelangte Partei den An- 
hängern der andern eine besondere Steuer auf, und fast immer 
3') In dem kleinen Städtchen S. Gimignano sind nur zwei grosse, durch 
Reichthum und Einüuss wetteifernde_Familien vorhanden, aber auch sie theilen 
sich in diese Parteinamen. 
vn.  2
        

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