Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971866
3-12 
Anfänge 
italienischer 
Malerei. 
zuschreibt, ehemals in Pisa, jetzt in der Sammlung des Louvre, 
hat schon etwas mildere Züge und könnte möglicher WVeise ein 
Jugendwerk Giottds sein  
Zwischen die beiden ersten dieser Bilder soll dann nach 
Vasari Cimabue's Aufenthalt in Assisi fallen, wo er zunächst 
und zwar mit einigen ngriechischen Meistern" in der unteren, 
dann aber anhaltend in der oberen Kirche malte, und zwar zuerst 
die Deckengemälde, dann die ganze Reihe von Bildern aus dem 
alten und neuen Testamente zwischen den Fenstern. Diese Male- 
reien sind freilich nicht völlig gleich; die vier Evangelisten am 
Gewölbe des Chors, die Vasari grade als Beweis der Verdienste 
Cimabues um die Frescomalerei heraushebt, sind so byzantinisch 
und steif, dass man sie eher einem Vorgänger des Cimabue, die 
vier Kirchenvater aber an dem westlichsten Gewölbe (jeder mit 
einem zuhörenden Schüler und in einer mit mangelhafter Perspec- 
tive gezeichneten gothischen Architektur) so viel bewegter und 
freier, auch in andrer kräftigere-r Farbe ausgeführt, dass man sie 
einem Nachfolger, vielleicht schon dem Giotto zuschreiben möchte. 
Unter den andern erwähnten VVerken, deren Verschiedenheit ge- 
geringer ist und sich durch die während der Arbeit steigende 
Kraft des Meisters erklären lässt, sind die historischen Bilder 
zwischen den Fenstern die wichtigsten, leider aber, wahrschein- 
lich in Folge mangelhafter Farbenbereitung, sehr verblichen und 
zum Theil fast. unkenntlich geworden. Ueberhaupt ist das 'l'ech- 
nische nicht ihre starke Seite; sie sind wahrscheinlich eben da- 
durch, dass der Maler das Aengstliche und 'l'ypische der bishe- 
rigen Malweise vermeiden wollte, hart und unharmonisch. Geht 
man aber näher auf die mit naiver Kühnheit inhaltreich angelegten 
Compositionen ein, so wird man durch den poetischen Sinn, die 
verständige und klare Anordnung, durch die vielen Züge von Ge- 
fühlswärme, glücklicher Naturbeobachtung und feinem Schönheits- 
sinn überrascht und angezogen. Besonders der Judaskuss und 
die Grablegung sind wahrhaft ergreifend. Man begreift bei die- 
sen Bildern vollkommen, wie Giotto aus der Schule dieses Meisters 
hervorgehn konnte, und muss Vasari beistimmen, wenn er so 
Waagen K. 
und K. 
III. 
402.
        

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