Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971797
Giunta 
Pisano. 
335 
Knochen eingefallen, die Rippen sind tief eingefurcht, Arme und 
Beine schwächlich und dürre. Die Modellirung ist durch ver- 
einzelt neben einander gestellte dunklere und hellere Pinselstriche 
bewirkt, die ganze Ausführung sorglich, aber mühsam, die Farbe 
endlich dunkel, in das Bräunliche und Graue spielend. Griechi- 
scher Einfluss ist unziveifelhaft; er zeigt sich in eben dieser 
Farbe mit ihrem zähen Bindemittel, in dem symmetrisch geord- 
neten, fein gestrichelten Haar, in dem traditionellen Bemühen, 
dem Körper eine gewisse Rundung und anatomische Ausführ- 
lichkeit zu gebend). Alles dies, der Ausdruck dumpfen sinn- 
lichen Leidens und diese leblose und deshalb leichenhafte Aus- 
führlichkeit, der itlangel an Schönheitssinn und V erstänilniss der 
Natur sind uns sehr unerfreulich. Aber es ist wohl begreiflich, 
dass diese Darstellungsweise auf härter gewöhnte Gemüther 
Wirken, ihnen ein wohlthätiges Gefühl der Rührung und Ehr- 
furcht geben, und besonders im Vergleich mit den steifen und 
ausdruckslosen Gestalten der bisherigen Kunst als ein Fortschritt 
erscheinen konnte. YVir können daran erkennen, Wodurch sich 
die byzantinische Kunst den Italienern empfahl; sie gab statt der 
rohen und gleichgültigen Unbestimmtheit der bisherigen Malereien 
feste, geregelte, gleichbleibende Formen und eine Anregung des 
religiösen Gefühls, deren sie in der damaligen Stimmung der Ge- 
Inüther bedurften; sie War ihnen, trotz der Verkümmerung und 
Erstarrung, die sie besonders in der schwierigeren Technik der 
Tafelmalerei annahm, zusagender als die bisherige Leere. 
Andre beglaubigte Gemälde Giunta,s besitzen wir nicht, 
Zwei Schriftsteller des Franciscanerordens, Wadding und der 
Padrc Angeli, erzählen, muthmasslich nach mündlicher oder 
schriftlicher im Kloster zu Assisi erhaltener Tradition, dass er im 
Chore der dortigen Oberkirche Wandgemälde ausgeführt habe. 
Namentlich schreiben sie ihm eine Kreuzigung mit umhertliegen- 
den Engeln und eine Assumtion der Jungfrau zu, und Agincourt 
hat mehrere dieser Malereien in seinem Werke unter dem Namen 
Giuntals stechen lassen. Die meisten derselben sind seitdem so 
f] Vgl. ausser den schon angeführtemAbbildungen bei Ramboux und 
Roßlfn die freilich sehr unvollkommene bei Morrona und das Bild aus S. M. 
degll Angeli ganz klein bei Aginc. tab. 102 Nro. 7.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.