Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971689
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Anfänge 
italienischer 
Sculptur. 
Engel im Innern von grosser Kühnheit der Conception und hold- 
seligster Anmuth, und auch die Reliefs recht erfreulich und schön. 
Durchweg zeigen sich unverkennbare Anklänge an den Styl 
Niccolöis, die gedrungene Körperbiltlung, die volle fleischige Be- 
handlung des Nackten an Adam und Eva, überhaupt eine ge- 
wisse Frische, Fülle, selbst Derbheit, besonders aber das Gefühl 
für das Ganze der Erscheinung, das grade den frühern Meistern 
so sehr gefehlt hatte. Viel bedeutender ist dann ein zweites 
NVerk, das Denkmal des Cardinals Wilhelm de Braye zu S. D0- 
menico in Orvieto, an dem sich Arnolfo wiederum, doch nun ohne 
Gehülfen nennt k). Die Anordnung ist die, welche sich grade um 
diese Zeit, wie es scheint von der Pisauer Schule ausgehend, 
weit über Italien ausbreitet; der Verstorbene liegt auf einer Bahre 
oder einem Paradebett, während Engel zu Häupten und Füssen 
stehend die Vorhänge desselben aufheben, darüber aber entweder 
auf der Wand unter dem das Ganze einrahmenden Spitzbogen 
musivisch, oder wie es hier der Fall ist auf einem zweiten Vor- 
sprunge statuarisch, die Aufnahme des Verstorbenen im Himmel 
dargestellt ist. Wir sehen hier die Jungfrau lhronend, neben ihr 
St. Petrus und St. Dominicus stehend und endlich den knieenden 
Cardinal. Vor allem ist die Jungfrau schön; von kräftigem Bau, 
in würdiger Haltung, die rechte Hand auf der Kugel des Stuhl- 
pfostens ruhend, erinnert sie noch an jene junonischen Gestalten 
Niccolifs, ist aber dabei mütterlicher, inniger. Auch das Kind, 
etwas klein, aber mit lehrend vorgestreckter rechter Hand und 
zurückgebogeilem Kopfe frei und würdig sitzend, entspricht dem 
Gedanken sehr wohl und die Engel sind sehr lieblich. Es herrscht 
in dem Ganzen eine wirklich grossartige und doch wieder sehr 
schlichte Auffassung. Musivischer Schmuck und die gewundenen 
3') Hoc opus fecit Arnolfus; leider auch ohne Jahreszahl der Arbeit. 
Nach Gicognam ist der Cardinal de Braye am '27. April 1280 gestorben und 
Förster giebt in seinem Reisehandbuche die Zahl 1'282 an. Die von 1290 
(vgl. die Herausgeber des Vasari I. 256) beruht nur euf der Vermuthung 
des Padre della Valle, der Amolfo einen Antheil an den Reliefs der Fagade 
des Domes zuschreiben will, und eine moderne Inschrift in S. Domenico 
selbst über einer viel spätem Soulptur: Hoc opus sculpsit Arnolfus 1294, 
lässt sich, wenn man sie auf jenes Grabmonument beziehen wollte, mit Ar- 
nolfo's Bauthätigkeit in Florenz nicht wohl vereinigen.
        

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