Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971649
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Anfänge 
italienischer 
Sculptur. 
uns doch Niccoltfs Styl keinen Grund, ihn mit diesen in Verbin- 
dung zu bringen d). Die Eigenthiimlichkeiten seiner Werke er- 
klären sich schon dadurch vollkommen, dass er zuerst antike 
Bildwerke beachtete, und theils nachahmte, theils doch durch ihren 
Geist bestimmt wurde, was er von keinem Meister seiner Zeit, auch 
von den deutschen oder Lombarden nicht, lernen konnte, weil 
noch keiner vor ihm ein Auge für die Antike gehabt hatte. Viel 
Wichtiger als die Frage nach seinem Lehrmeister ist daher die, 
was ihm und ihm zuerst vor allen anderen den Sinn für das Alter- 
thum geöffnet habe. Vasari weist auf den schönen Sarkophag 
mit der Geschichte des Meleager oder (wie man jetzt annimmt) 
des Hippolyt hin, in welchem einst die berühmte Markgräfin 
Mathilde bestattet war und der noch jetzt im Campo santo steht. 
und wenn es auch zweifelhaft sein mag, ob grade dieser Sarkophag 
ihn angeregt, da man Reminiscenzen aus demselben in keinem 
seiner Werke findet, so beweisen doch die schon angeführten 
einzelnen Beispiele nachgeahmter Gestalten, dass er antike Bild- 
werke vor Augen gehabt hat. Allein damit ist noch nichts erklärt. 
Es ist zwar richtig, dass die meisten Antiken unsrer Museen da- 
mals noch verschüttet lagen; aber in Rom waren die berühmten 
Dioscuren von Monte cavallo, die Säulen 'l'rajan's und Antoniifs, 
eine Menge Reliefs an den Gebäuden, gewiss auch noch manche 
1826 Nro. 79 und E. Förster Beitr. S. 21) in Toscana gewirkt haben und 
aus dessen Schule namentlich der Meister der Kanzel von S. Gio. fuorcie 
vitas hervorgegangen sein soll, ist der verheissene urkundliche Beweis nun 
schon seit fast 40 Jahren ausgeblieben und der Guido da Como, der sich an 
der Kanzel von S. Bartolomeo in Pisa nennt, ist ein so schwacher Geselle 
und steht den rohen toscanischen Bildnern dieser Zeit so nahe, dass er eher 
von ihnen gelernt als eine bessere Kunst hierher gebracht haben wird. 
i") Kugler (Kunstgesch. 3. Aufl. Il. 274) will bei Niccolö mehrfache 
Anklänge an die sächsische Schule, namentlich an die goldene Pforte zu 
Freiberg, gefunden haben und daher einen Anschluss an ihre Leistungen bei 
ihm vermuthen. Allein der einzige Beweis, den er anführt, der Engel mit 
dem Stabe auf der Anbetung der Könige hier wie dort, ist sehr schwach, 
und die zarte, fast zu weiche Anmuth des sächsischen Meisters hat mit der 
kräftigen, fast schweren Formbildung Niccolffs wenig gemein. Noch weniger 
lässt sich zwischen lombardischen Bildwerken, namentlich denen des Benedetto 
Antelami in Parma und unserm Meister (wie dies Fr. K. im Kunstbl, a, a, 0, 
will] ein Zusammenhang wahrnehmen.
        

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