Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968585
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Italien 
im 
XIII. 
Jahrhundert. 
die höhere Begabung der Nation, welche die Unterschiede der Er- 
ziehung geringer erscheinen liess, und die grössere Oeffetitliclt- 
keit des Lebens, trugen dazu bei, die Stände einander zu nähern, 
und die Bürger, die mit dem Adel in den Schlachten fechten und 
in den Bathsversammltitigen tagten, begannen bald, sich auch 
geistig ihm gleichzustellen und Begriife von persönlicher Ehre 
und Würde anzunehmen, die den Seinigen nicht viel tiachstatiden. 
Der Nimbus, welcher den Adel in den nordischen Ländern um- 
gab, fiel daher hier grossentheils fort; während dort die Bürger, 
selbst der reichsten und mächtigsten Städte, dem ritterlichen Land- 
adel gegenüber immer den Vortheil seiner freieren Stellung und 
ihre Abhängigkeit von materiellen Interessen empfanden und sich 
daher in einer unbehaglichetl Unterordnung fühlten, waren hier 
beide Stände durch das republikanische Gefühl der 'l'lteilnahme an 
einem mächtigen, gebildeten oder mit irgend welchen Wahren oder 
vermeintlichen Vorzügen ausgestatteten Gemeinwesen vereinigt. 
Es bildete sich dadurch bei den Italienern eine Sinnesweise, die 
man Wohl eine aristokratische nennen kann; ihr Wohlgefallen an 
dem Ausgezeichneten und Herrorragettdeu ist. so gross, dass sie, 
wenn sie nicht selbst eine solche Stellung haben, schon mit dem 
bescheidenen Antheil zufrieden sind, den ihre Mitbürgerschaft 
ihnen giebt, und daher wie andere Vorzüge ihrer Commune, so 
auch den Reichthurn, die Ehren und Würden und die glänzende 
Lebensweise ihrer vornehmen Mitbürger mit einem gewissen 
Stolze betrachten. Dies gewissermasseti ästhetische Wohlge- 
fallen war dann aber freilich nicht stark genug, um den Regungen 
des Eigennutzes und des N eides dauernden YViderstand zu leisten 
und einen Kampf der Stände bleibend zu verhüten. 
Ueberall waren attfatigs dieYerfassungen mehr aristokra- 
tisch. Je mehr aber die Gewerbe blüheten und aus ihnen reiche 
Familien hervorgingett, welche mit dem Adel wetteifertelt, je mehr 
dann auch die Zünfte sich der Macht bewusst wurden, welche 
ihnen die grosse Zahl und das Gesammtvermögen ihrer Mitglieder 
gab, um so mehr stieg bei diesen Klassen der Wunsch nach 
Theilnalttne an der Gewalt. Die Verfassung wurde daher in den 
meisten Städten im demokratischen Sinne reformirtr). An Füh- 
 Man nannte dies mit einem feststehenden Worte: fare popolo.
        

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