Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971620
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Anfänge 
italienischer 
Sculptur. 
die sieben freien Künste nebst der Philosophie, Helden des alten 
Testaments, Romulus und Remus nebst ihrer Mutter und der 
Wölfin, Thierbilder aus äsopischen Fabeln, endlich Wappen, der 
Guelfische Löwe, der Greif von Perugia, und zwei Mal der Adler 
voirPisa, offenbar eine Concession, die man den Bildnern gemacht; 
auch liest man an einem dieser Adler den Namen des Johannes. 
Darüber stehn in Nischen 24 Statuetten, wiederum sehr gemischter 
Bedeutung, heilige und alttestamentarische Gestalten mit städti- 
schen Wohlthätern und den beiden Podeste, welche während der 
Arbeit die Stadt regierten. Alle diese Sculpturen haben zwar 
durch Erdbeben und andre Schicksale bedeutend gelitten und 
starke Reparaturen erhalten, lassen aber doch noch den Charakter 
erkennen, der sich zwar im Allgemeinen dem der andern Werke 
Niccolöis anschliesst, aber nicht specielle antike Beminiscenzen 
und nicht die Ueberfüllung hat wie die Arbeiten an den Kanzeln 
von Pisa und Siena, vielmehr eine schlichtere Haltung und eine 
gewisse behagliche Breite zeigt. 
Der grosse Abstand zwischen Niccolö und seinen unmittel- 
baren Vorgängern in Pisa ruft die Frage hervor, was ihm die 
Kraft dieses Aufschwunges gegeben und man hat nach gewohn- 
ter Weise sich auch hier durch die Annahme zu helfen gesucht, 
dass er von auswärtigen Künstlern gelernt habe. Vasari lässt ihn, 
seiner allgemeinen Hypothese gemäss, zuerst unter griechischen 
Meistern arbeiten; allein die Anwesenheit griechischer Steinarbei- 
ter ist höchst unwahrscheinlich?) und jedenfalls War von ihnen 
nicht viel zu lernen, da in Byzanz die höhere Plastik längst er- 
loschen war. Neuere deutsche Schriftsteller haben dagegen einen 
Einfluss deutscher Bildner auf Niccolö annehmen zu dürfen 
geglaubt. In der That giebt Vusari selbst dazu Veranlassung, 
indem er an einer andern Stelle erzählt, dass in Folge {gewisser 
Streitigkeiten zwischen Kaiser Friedrich und der Stadt Mailand 
i?) Wir kennen keinen Fall, wo sie erwiesen ist. Wenn der Magister 
Jacobus de Oandia, welcher sich nebst seinem Bruder an einem Gurtbogen 
von S. Pietro in cielo d'oro zu Pavia nennt, wirklich aus der Insel Candia. 
sein sollte, und nicht aus irgend einem unbekannten Oertchen der Alpen, 
dessen Namen er so latinisirte, so ist er doch wahrscheinlich ein ganz ver- 
einzelter Maurer.
        

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