Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971610
Niccolö 
Pisan o. 
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Weise nur für sechs Felder gesorgt war, noch einer ganz neuen 
Composition, für welche er den bethlehemitischen Kindermord 
wählte und, um den andern Feldern nicht nachzustehen, durch 
sehr zahlreiche, im starkem Relief hervortretende, aber freilich 
nicht klar geordnete Figuren darstellte. S0 viel ist also gewiss, 
dass die grössere Klarheit und Einfachheit der Compositionen, 
welche das Grabmal des h. Dominicus im Vergleich mit der pisa- 
ner Kanzel zeigte, nur durch die Verschiedenheit der Aufgabe 
oder die Beschränkung der Mittel, nicht durch einen Fortschritt 
oder eine Geschmacksänderung bedingt War. Mit der Darstellung 
jener höchsten Hergänge und mit der Anforderung reicherer Aus- 
führung tritt nicht nur dieselbe gedrängte Fülle, sondern eine noch 
stärkere ein, Welche das Auge verwirrt und kaum mehr plastisch 
zu beherrschen ist. In gewisser Beziehung bemerken wir einen 
Fortschritt; der Ausdruck der Gesichter ist inniger, lebendiger, 
mannigfaltiger als in Pisa, die Durchbildung des Einzelnen, nament- 
lich des Körperbaues, die Kenntniss plastischer Mittel gefördert. 
Selbst die antiken Motive, obgleich sie seltener sind, sind zum 
Theil reiner, mit grösserem Verständniss behandelt. Aber dabei 
ist die Neigung zu derben Formen, kurzen Verhältnissen, 
schweren Gewändern geblieben und giebt den Versuchen detail- 
lirter Ausführung oder charakteristischen Ausdrucks oft etwas 
Unbeholfenes oder Uebertriebenes, das mit den Zügen antiker 
Hoheit und Ruhe, die sich hier Wiederholen, nicht in Einklang 
Steht. Mit einem Worte unser Meister hat den Höhepunkt seiner 
Kunst schon hinter sich. 
Bei dem letzten grossen Werke, an dem Nicolaus thätig 
war, an den Sculpturen des Brunnens zu Perugia , wird der An- 
lheil seines Sohnes wohl grösser sein als der seinige"-'). Es ist 
ein reich ausgestattetes Werk. Unten, an ziemlich ungünstiger 
Stelle, umgeben das grosse Becken fünfzig Tafeln mit ziemlich 
flachen Reliefs, meist einzelne Gestalten, die Sternbilder und Monate, 
Ü Vasari (a. a. O. S. 269) schreibt sie dem Giovanni allein zu, während 
"die. schon angeführte Inschrift die Theilnahme beider ergiebt. Vergl. Le 
Sculture di Niccolö e Giovanni da. Pisa e di Arnolfo fiorentino, che ornano 
1a fontana maggiore di Perugia, disegnate e incise da Silvestro Massari e 
descritte da. G10. Batista Vermiglioli, Perugia 1834 in 4. mit 80 Kupfertafeln.
        

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