Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971602
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Anfänge 
italienischer 
Sculptur. 
Heilige einen vom Pferde gestürzten Jüngling erweckt. Die 
Mönche sind ganz dieselben Gestalten wie dort, aber die jungen 
Leute, welche den für todt Irlingestreckten aufzurichten versuchen, 
die Frauen und Kinder, welche theiltiehmend und klagend umher- 
stehen, sind in Bewegung und Haltung so schlicht und natürlich, 
selbst das Pferd ist so gelungen, dass man sich in unmittelbarer 
Gegenwart des Ereignisses befindet. Dabei ist die Anordnung so 
einfach und klar, so harmonisch dem Raume angepasst, dass man 
es sich nicht schöner denken kann. Annähernd gilt dies auch von 
den beiden andern Reliefs, dem Streite .mit manichäischen Ketzern, 
deren Bücher verbrennen, während die des Heiligen sich in den 
Flammen erhalten, und der wunderbaren Speisung der dürftigen 
Ordensbrüder, wobei denn ungeachtet des Costüms der Zeit ein- 
zelne Gestalteti, namentlich die Frauen und Jünglinge, wieder an 
die Antike und an die Auffassung derselben in den pisanischen 
Sculpturen des Meisters erinnernde). 
Unmittelbar nach dieser Arbeit, ja noch ehe die Gebeine des 
Heiligen in die neue Graburne gelangt waren, linden wir unsern 
Meister in Siena an der Kanzel beschäftigt, deren Bestellung ihm 
obne Zweifel mit Hinblick auf die gleiche Arbeit in Pisa und mit 
der AuHoi-derung ertheilt war, sie zu übertreffen. Denn sie 
schliesst sich in der Anlage und selbst in den bildnerischen Mo- 
tiven genau an diese an, nur dass sie grösser, höher und schlan- 
ker, statt sechsseitig achteckig gebildet ist, und dass daher der 
Meister, indem er so viel wie möglich seine früheru Compositioneu 
wieder benutzte, durch die grössere Ausdehnung der Fehler genö- 
thigt war, etwas hinzuzusetzen. Dies ist dann in sehr naiver 
Weise geschehen, bei der Geburt, wo die Heimsuchung genau 
die Stelle einnimmt wie in Pisa die Verkündigung, durch Ver- 
mehrung der Engel, Hirten und Schafe, bei der Anbetung der 
Könige durch einen grösseru Reisezug von Pferden, Hunden und 
Kameelen, bei der Darbringting im Tempel durch Hinzufügung der 
Scene, wo der Engel Joseph die Flucht nach Aegypten gebietet. 
Aehnliche Vermehrung der Gestalten ist auf der Kreuzigung 
wahrzunehmen, und das VVeltgericht endlich ist so ausgedehnt, 
dass es sogar zwei Tafeln füllt. Dennoch bedurfte er, da in dieser 
 Abbildungen bei Aginc. Sc. t. 32, und Cicognara tab. 8, 9_
        

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