Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971591
Niccolö 
Pisano. 
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neten. Auch war vielleicht schon aus ökonomischen Gründen 
eine sparsamere Anordnung geboten. Vor allem aber waren die 
Gegenstände ganz andrer Art; es Waren Ereignisse, die nur vor 
einem Menschenalter vorgefallen und noch von keiner Künstler- 
hand behandelt waren, die daher, wenn auch Wunder enthaltend, 
nicht den Nimbus des Ueberirdischen hatten, sondern im Costüme 
des Tages gedacht wurden, bei denen endlich nicht göttliche Per- 
sonen, sondern demüthige Bettelmönche die Hauptrolle spielten. 
Hier war daher jene antike Hoheit nicht angebracht, sondern das 
beobachtende Auge des Meisters auf die Natur, die anordnende 
Phantasie auf das Einfache angewiesen. Er hat schon den Be- 
griff des Reliefs anders gefasst; die Figuren haben nicht die 
starke Ausladung, wie die vorderen auf der Kanzel von Pisa, die 
Compositionen füllen nicht das ganze Feld bis obenhin, sondern 
bestehn aus klar gesonderten Gruppen, bei denen auf die De- 
taillirung und das Costüm näher eingegangen und alles sauberer 
ausgearbeitet ist. Aber abgesehen von diesen Verschiedenheiten 
kann man nicht fehlen, den Meister wieder zu erkennen. Beson- 
ders gilt dies von dem einen Seitenrelief, welches wieder mehrere 
Hergänge verbindet. Man sieht nämlich zuerst die Fürsten der 
Apostel, Petrus und Paulus, welche dem vor ihnen knieenden 
Ordensstifter das Evangelienbuch und einen Stab, die Zeichen des 
Berufes wandernder Prediger, übergeben, und dann noch ein Mal 
den Ordensstifter, der die Bücher seinen Brüdern austheilt. Hier 
sind nun zunächst die Apostel noch ganz im Style der Reliefs von 
Pisa, namentlich ist die Bildung der bärtigen Köpfe und des Hal- 
ses, so wie der Wurf der antiken Gewänder noch ganz ebenso. 
Auch bei den Mönchen ist der GewandstoK so schwer und die 
llildung der Köpfe so kräftig wie dort, aber die Anschauung der 
Wirklichen Ordensbrüder, wie sie in der Kaputze stecken und Kopf 
und Nacken an eine gebeugte Haltung gewöhnt haben, hat diese 
Formen schon etwas modificirt. Vielleicht war dies Relief das 
erste, denn bei den andern finden wir unsern Meister noch mehr 
auf die Eigenthümlichkeit der neuen Aufgabe eingegangen, er hat 
sich noch mehr in das Costüln seiner Zeit, in die edle Einfachheit 
und Natürlichkeit eingelebt, welche diese Legende erforderte. Be- 
Senders gelungen ist in dieser Beziehung die Scene , wo der
        

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