Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971565
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Anfänge 
italienischer 
Sculptur. 
Bacchus auf einen nackten Faunknaben. Auch hier aber ist nur 
das Motiv entlehnt, denn grade dieser Hohepriester ist eine der 
schwerfalligsten Gestalten dieser Reliefs, mit krausem Barte und 
einer Ueberfülle des Gewandstoffes und der Falten, weit entfernt 
von den einfach fliessenden Linien und der schlanken Haltung des 
griechischen Urbildes. Bei den beiden andern Reliefs, der Kreu- 
zigung und dem jüngsten Gerichte, ist die Neigung bemerkens- 
werth, die Strenge christlicher Vorstellungen zu mildern; auf der 
Kreuzigung ist auch dem bösen Schächer nicht ein Teufel beige- 
geben, der seine Seele fortführt, sondern ein Engel, der ihr den 
Weg des Himmels versagt, und bei den Verdammten nehmen die 
bösen Geister eine satyrähnliche Gestalt an, ja der eine derselben, 
ein Zwerg mit kolossalem, missgestaltetem Kopfe und gewaltig 
geöffnetem Munde, ist augenscheinlich der in antiken Denkmälern 
oft vorkommenden Darstellung eines Knaben mit vorgehaltener ko- 
mischer Maske nachgebildet. Auf der Kreuzigung ist Christus 
selbst schön und edel, dagegen fallt an manchen N ebengestalten der 
verfehlte Ausdruck und die Unbeholfenheit in der Bewegung, und 
auf dem jüngsten Gerichte der Mangel eines ordnenden Princips, 
die Ueberfüllung mit kleinen Gestalten und der Contrast bewegter 
Scenen mit der ziemlich trockenen Regelmässigkeit der Heiligen 
und Seligen auf. Bei den 'l'ugeuden, die als Statuen über den 
Kapitälen stehen, hat er sich über das Herkommen, das ihnen 
weibliche Gestalt giebt, fortgesetzt und nach Umständen das eine 
oder andre Geschlecht gewählt. Auch bei ihnen erkennt man den 
Einfluss der Antike und das Bestreben nach grösserer Natur- 
Wahrheit, dabei aber auch die Neigung für kurze breite Verhält- 
nisse und für volle und schwere Gewandung. Besonders bemer- 
kenswerth ist die Fortitudo, welche er als männliche, jugendliche 
Gestalt nackt und mit Löwen spielend darstellt. Die Verhältnisse 
sind auch hier mangelhaft, aber der Gedanke einer athletischen 
Gestalt ist mit solcher Genauigkeit der Muskelbildung und so 
sehr im antiken Sinne durchgeführt, dass man, wenn auch nicht 
eigentliche N aturstudien , so doch eine sehr sorgfältige Beobach- 
tung der Natur und auch wohl schon die Anwendung des Thon- 
modells annehmen muss de). 
über diese Kanzel die Beschreibung und Würdigung in E, 
Förster,
        

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