Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968571
Adel 
und 
Ritterthum. 
13 
ritterlichen: Titel strebten, und Fürsten und Städte benutzten dieses 
Mittel, den Ehrgeiz durch Verleihung der ritterlichen Würde an- 
zuspornen. Aber sie war eben nichts als ein Schmuck der Vor- 
nehmen oder der durch ihre Thaten zu gleichem Ansehen gelangten 
Kriegsleute. Das Resultat war daher ein ganz anderes als im Nor- 
den; während dort das Ritterthum einen Stand mit gleichen Rechten 
und Pflichten darstellte, der in gewissem Grade die Unterschiede des 
Ranges und Vermögens ausglich, unterschied man hier mehrere 
Arten oder Klassen von Rittern, die aber keine hierarchische Unter- 
ordnung begründeten, sondern sich nur auf die Art, besonders auf 
die Kostbarkeit der Verleihung bezogen und nur auf eine Befriedi- 
gung der Eitelkeit hinausliefen. Von den Pflichten des ritterlichen 
Gelöbnisses, von den Beschränkungen und Opfern, welche dasselbe 
den Rittern auferlegte, von der Erziehung der Knaben zu diesem 
Stande, von einer eignen ritterlichen Moral und den Rücksichten 
des Edelmuthes gegen gefangene ritterliche Gegner, auf welche 
man in Frankreich und England so viel Werth legte, ist daher 
hier niemals die Rede. Die phantastische Seite des Ritterthums, 
das Herumziehen irrender Ritter, die Gelübde und Kämpfe zu 
Ehren der Damen, wurde hier erst nach dem Ende des Mittelalters, 
und zwar nur als höfisches Spiel oder poetische Maschinerie be- 
kannt. Der Stolz des Adels war daher hier nicht mit einer sitt- 
liehen Geringschätzung der andern Stände verknüpft, sondern 
gründete sich auf materielle Vorzüge, auf das Ansehen, welches 
Familienverbindtlngen und Leistungen der Vorfahren gaben, auf 
die festen Burgen und sonstigen Hülfsmittel, und zuletzt denn doch 
hauptsächlich auf den Reichthum, zu dessen Bewahrung und Er- 
haltung neben dem Wachsenden Vermögen der grossen kaufmän- 
nischen Häuser auch der Adel nicht umhin konnte, sich auf Handel 
und Geldgeschäfte einzulassen, so dass Dante in der Abtheilung 
der Wucherer in seiner Hölle nur Mitglieder altadeliger Familien 
nennt. Statt der scharfen erblichen Trennung der Stände in den 
nordischen Ländern traten daher hier nur bedingte Vorzüge ein. 
Der alte feudale Adel, die städtischen Patriciergeschlechter und end- 
lich die neu emporgekommenen Familien bildeten eine Abstufung, 
die unmittelbar in die weiteren persönlichen Unterschiede des 
Reichthums und Ansehens der andern Klassen hinabführte. Auch
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.