Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971488
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Anfänge 
italienischer 
Sculptur. 
mit Bauten, selbst mit auswärtigen, beschäftigt war, obgleich 
Vasarfs ihn betreffende Angaben über solche meistens als un- 
richtig erwiesen sind. Erst mit dem Jahre 1260 finden wir ihn 
wieder, und zwar auf der Höhe seiner Kunst, indem er eines 
seiner bedeutendsten Werke, ja vielleicht das vorzüglichste von 
allen, die Kanzel im Baptisterium zu Pisa, wie die Inschrift er- 
giebt, in diesem Jahre vollendeter). Bald darauf wird er die 
Reliefs für die Arca di San Domenico in Bologna angefangen 
haben; die Uebertragung der Reliquien des Heiligen in dies sein 
neues Monument erfolgte zwar erst 1267, aber die Arbeit musste 
schon früher vollendet sein, da Niccolö damals schon mit einer 
andern wichtigen Aufgabe beschäftigt war. Am 29. September 
1266 übernahm er nämlich in einem zu Pisa mit einem Abge- 
ordneten der Domverwaltung von Siena geschlossenen Contracte 
die Fertigung einer Kanzel für diesen Dom und zwar mit der Ver- 
pilichtung, sich mit seinen Gehülfen schon am 1. März 1267 in 
Siena einzuiindeu und daselbst die Arbeit, mit Ausnahme kurzer 
Reisen nach Pisa, die genau festgestellt wurden, ununterbrochen 
fortzusetzen und zu vollenden fit). Niccolö verpflichtete sich darin, 
nicht bloss die erforderlichen Steine aus Carrara, sondern auch 
schon die Säulen mit ihren Kapitälen am 1. November, also nach 
Monatsfrist, dem Bevollmächtigten der Domvenvaltung zu über- 
liefern; er muss also entweder solche Säulen schon zum Kaufe 
vorräthig oder bedeutende Arbeitskräfte zu seiner Disposition und 
mithin eine sehr grossartig eingerichtete WVerkstatt gehabt haben. 
Er verpflichtet sich ferner, neue Werke vor Vollendung der 
Kanzel nicht zu übernehmen, aber die Erlaubniss zu viermaligen 
Reisen nach Pisa im Laufe jedes Jahres, jede von 14 Tagen, die 
er sich wegen des Baues am Dome und Baptisterium seiner Vater- 
stadt und wegen seiner Privatgeschäfte ausbedingt, zeigen doch, 
dass er noch Andres, wenigstens einen handwerklichen Betrieb, 
zu überwachen hatte. Bemerkenswerth ist dann weiter, dass die 
YVahl seiner Gehülfen ihm nicht ganz überlassen ist, sondern 
1') Anno milleno bis oentum bisque triceno. Hoc opus insigne sculpsit 
Nicola" Pisanus. Laudetur digne tam bene dem. manus. 
 Vgl. den ausführlichen Contract wörtlich bei Rumohr I, 145 und in 
Milanesfs Sammlung der Seneser Urkunden.
        

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