Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971468
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Anfänge 
italienischer 
Sculptur. 
Pisa geboreniß] und der Sohn eines dortigen Steinarbeiters Petrus, 
der nicht einmal das Meister-recht erlangt hatte  Schon im 
den Daten seiner späteren Werke schwer zu vereinigen war. Dies veranlasste 
dann Einige, Niccolöls Theilnahme an dieser Arbeit zu bezweifeln oder zu 
bestreiten (so schon Malvasia, dann Förster in den Beiträgen S. 14, dann 
Marchese Virgilio Davio in einer eigenen Schrift über dies Monument, 1838, 
u.  während Andre, besonders Cicognara, Vasarfs Ausspruch vertheidigten. 
Schon Gaye Kunstbl. 1839 Nro. 22 glaubte einen chronologischen Irrthum 
Vasarfs annehmen zu müssen, und dies ist denn auch jetzt erwiesen. Nach 
der durch Bonaini im Archivio storico V01. VI. Parte II. Sect. III. veröffent- 
lichten Chronik des Klosters S. Caterina zu Pisa steht nämlich fest, dass die 
Arca wirklich von Niccolö in Gemeinschaft mit seinem Schüler, dem Fra 
Guglielmo, einem Möneh aus dem gedachten Kloster, gearbeitet, nach andern 
Ordensnachrichten aber, dass die Uebertragung der Reliquien des h. Domi- 
nieus aus dem provisorischen in das neue Grab erst 1267 erfolgt ist. Vgl. die 
Anm. zum Vasari I. 261, Marchese, Memorie dei piü insigni pittori etc. Do- 
menicani, ed. 2, I. p. 69. Die Arbeit wird daher ohne Zweifel nicht sehr 
lange vorher, etwa von 1265 an, begonnen sein. 
4') Durch die von Vermiglioli (1827 und 1834] bekannt gemachte In- 
schrift an dem grossen Bnmnen zu Perugia schien es erwiesen, dass Niccolo 
im J. 1278 das Alter von 74 Jahren gehabt habe (vergl. die Anm. zum 
Vasari S. 258 und 270) also etwa 1205 geboren sei. Allein die Lesart hat 
sich durch weitere Auffindung von Fragmenten der Inschrift als irrig ergeben. 
das septuagintaquatuor, welches man mit Niccolöfs Namen in Verbindung 
gebracht, hiess richtiger septuaginta bis quatuor und bestimmte mit den 
Worten: annis mille ducentis nur das Jahr der Vollendung des Werkes, 
während Niccolö und sein Sohn Johannes Pisanus an anderer Stelle der 
ausführlichen Inschrift, aber ohne Altersangabe genannt sind. Da indessen 
sein frühestes Werk schon von 1233 stammt, muss er mindestens 12-10 
geboren sein. 
w] Ciampi hatte in seiner bekannten Schrift: Notizie de' sacri arredi etc. 
aus dem Archiv von S. Jacopo zu Pistoja eine Urkunde publicirt, in welcher 
unser Meister: Magister Nicholö quondam Petri de Senis ser Blasii Pisani 
genannt wird. Da nun der Titel Sere bekanntlich einen Notar bezeichnet, 
so schloss man, dass sein Grossvater Blasius ein solches Amt bekleidet habe, 
folgerte daraus weiter, dass auch sein Vater ein Mann von wissenschaftlicher 
Bildung gewesen sei, der ihm auch eine bessere Erziehung, als die der 
gewöhnlichen Handwerker gegeben haben werde, wodurch man dann seine 
Empfänglichkeit für antike Kunst und überhaupt seine Erhebung über den 
handwerksmässigen Betrieb seiner Kunstgenossen erklären wollte. (Cicog- 
nara III. 173. Die Herausg. d. Vasari I. 258 und Förster Beiträge S. 4.] 
Allein offenbar ist die Lesart Ciampfs, auf welcher diese ganze Schlussfolge 
beruht, eine falsche. Der Name Blasius kommt nämlich in den zehn 
andern, Niccolö betreffenden Urkunden, die wir besitzen, nirgends als der
        

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