Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968565
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Italien 
im 
XIII. 
Jahrhundert. 
Thürme der Stadt verlieh, zur Ehre an und hörten es gern, wenn 
man diese die nthurmreicheß (turrita) nannte, während die Be-- 
hörden denn doch die Gefahr einsahen, welche schon der Ein- 
sturz dieser übermüthigen Bauten drohete und daher das Maass 
derselben beschränkten oder ihre Vermehrung untersagten ü). 
Um noch grössere Sicherheit zu erlangen, pflegten sich dann wohl 
verwandte oder verbündete Familien mit ihren Clienten so nahe 
an einander anzubauen, dass sie eine "grössere Gebäudemasse 
innehatten, welche sie durch Absperren der Strassen besser ver- 
theidigen und sich darin wie in einer Festung sammeln und zu 
Ausfallen vorbereiten konnten. Die Gelegenheit zu solchen Fehden 
blieb denn nicht lange aus, bald waren es persönliche Beleidi- 
gungen oder verjährter Familienhass, bald städtische Angelegen- 
heiten, bald aber auch blosser Uebermuth, die zu den Waffen 
riefen. In einigen Städten der Lombardei war es sogar Sitte, dass 
die Parteien sich auf dem Markte stets bewaffnet einfandeti, wo 
dann natürlich die kleinste Reizung zu ernstem Kampfe führte, 
und in Florenz schlug man sich von 1177 an zwei Jahre lang 
ohne erhebliche Ursache, zuletzt bloss aus Gewohnheit und ohne 
Hass, so dass die Gegner oFt andern 'I'ages zusammen zechten 
und sich ihrer WVatTenthaten rühmten. 
Zu einer so gründlichen Absonderung des Adels, wie in den 
nordischen Ländern, kam es indessen hier nie; der Gedanke, sich 
als eine durch edlere Sitten und reinere Interessen ausgezeichnete 
Menschenklasse anzusehen, tiel den italienischen Grossen nicht 
ein. Das Ritterthum blieb in Italien immer ein Fremdling. Zwar 
bestand auch hier im Kriege ein wesentlicher Unterschied zwischen 
den gemeinen Bürgern, die in schlecht geordneten Schaaren dem 
Caroccio, dem grossen Fahnenwagen der Stadt, zu Fasse folgten 
und der ritterlich gerüsteten Reiterschaar, zu der sich natürlich 
nur die Reichen melden konnten. Aber dies war nur ein Vorzug 
des Reichthums, nicht ein festbegrenztes Vorrecht eines edleren 
Standes. Allerdings gab es dann unter diesen Reichen nicht 
wenige, welche ilach dem Beispiele der nordischen Länder nach 
Ü So in Verona schon 1228, in anderen Städten später, Muratori Diss. '16. 
In Pistoja wurde nur der Podestä verpflichtet, die Ueberschreitung des damals 
höchsten Thurmes nicht zu gestatten. Muratori Annali I. 1. 182.
        

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