Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971361
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Anfänge 
italienischer 
Sculptur. 
nahme, aber in ungewöhnlicher, gedankenreicher Auffassung. 
Ausser den bei der Abnahme thätigen Männem und den theilneh- 
menden Frauen sind nämlich nicht bloss die Kriegsknechte, 
welche im Vorgrunde an dem Gewande Christi streitend zerren, 
der gläubige Centurio und andre Zuschauer, sondern auch noch 
die Ecclesia, welche mit dem Kelche und der Fahne unter dem 
von der Jungfrau Maria gehobenen rechten Arme Christi und 
unter dem Schutze des herbeifliegenden Erzengels Gabriel steht, 
und die Synagoge in Gestalt eines mit der Tiara bedeckten Prie- 
sters mit zerbrochener Fahne, dessen Haupt der Erzengel Raphael 
niederdrückt, ja endlich auch noch Sonne und Mond, zusammen 
22 Figuren angebracht, von denen viele durch Inschriften bezeichnet 
sind. Der Künstler hat also den Inhalt, den man sonst auf zwei 
Darstellungen, auf die der Kreuzigung und Kreuzabnahme, zu 
vertheilen pdegte, in ein Bild zusammengedrängt. Der Christus- 
körper ist noch sehr unvollkommen, auch die andern Gestalten 
sind zum Theil noch steif, und die Köpfe, die freilich durch die 
Zeit labgeschliffen sind, scheinen niemals sehr belebt gewesen 
zu sein. Aber die Anordnung ist klar und ungeachtet der be- 
wusst durchgeführten Symmetrie recht lebendig, und die Gebehr- 
den sind durchaus angemessen u-nd sehr verständlich und zeigen 
bei den einzelnen Gestalten eine Fülle von lebendigen Motiven, 
so dass man dem Gange der Handlung mit Interesse folgt. Ein 
Einfluss des Byzantinischen ist durchaus nicht wahrzunehmen, 
die Körper sind eher kurz, die Gewänder einfach und eher mit 
parallel laufenden als conventionell geordneten Falten, aber es 
herrscht ein Geist der Ordnung und Entschiedenheit in dem Gan- 
zen, der anzieht. 
Eine Reihe von Jahren später treffen wir unsern Bildner am 
Baptisterium von Parma, dessenarchitekfonische Bedeutmig 
schon besprochen worden. Die oft angeführte Inschrift, in wel- 
cher er sich mit der Jahreszahl 1196 nennt k), steht an dem nörd- 
gar nicht und den Meister überhaupt nur oberflächlich gekannt, während Fr. 
K(öhler] im Kunstbl. 1826 S. 306 zuerst mit Wärme, freilich auch mit Ueber- 
Schätzung auf ihn aufmerksam gemacht hat. 
"j Bisbinis demptis annis de lhille ducentis Incepit dictus opus hoc 
scultor Benedictus.
        

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