Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968558
Der 
Adel 
in 
den 
Städten. 
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niss zu der grossen abendländischen Staatseinheit zu berücksich- 
tigen und wurden durch phantastisch entstellte Reminiscenzen 
irre geleitet. Dort waren die Bürger, wenn auch durch Einwan- 
derungen oder Eroberungen gemischt, doch völlig mit der Vater- 
stadt verwachsen, hatten ausser ihren Grenzen keine Rechte, keine 
Gewähr der Freiheit, nicht einmal Altäre ihrer Götter. Hier 
hatten sie als Christen sogar Pflichten, durch ihre Standes- 
interessen Beziehungen zu Standesgenossen, die über die Grenzen 
der Stadt hinauswiesen. Die Stadtgemeinde War daher keines- 
wegs in dem Grade in sich einig, und wenn dort aus den ge- 
theilten Interessen verschiedener Klassen der Bürger vorüber- 
gehende V erfassungskännpte entstanden, waren hier die Ursachen 
der Spannung und Gährurag bleibend.  
Besonders hatten die Städte in dem Landadel, den sie in ihre 
Mauern aufgenommen, ein Element beständiger Unruhen. Er 
liess sich zwar das Bürgerrecht und die Uebertraguug bürger- 
licher Aemter oder des Befehls im Kriege gern gefallen, aber er 
war nicht geneigt, sich den Bürgern ganz gleichzustellen, behielt 
mit seinen ländlichen Besitzungen auch den Stolz der Feudal- 
herren, und brachte die kriegerischen Sitten von seiner einsamen 
Burg in die Stadt mit, wo die grössere Nähe die Veranlassungen 
des Slreites mehrte.  Dazu kam denn, dass auch die patricischen 
Familien, Welche in den Zeiten der Anarchie ein Recht auf die 
Besetzung der öffentlichen Aemter erhalten zu haben glaubten, 
sich diesem eingewanderten Adel gleichstellten und seine heraus- 
fordernden Sitten annehmen. Ritterliche Fehdelust hatte daher 
mitten in den Städten ihren Sitz und nöthigte diese vornehmen 
Familien, auf ihre Sicherheit gegen plötzliche Angriffe zu denken. 
Schon die Häuser dieses Adels gestalteten sich daher zu festen 
Burgen, die in den unteru Stockwerken nur schmale Eingänge 
und enge, auf Vertheitligung berechnete Oetfnungen, in den obern 
nur sparsame und mässig grosse Fenster hatten, und an denen 
ein fester Thurm, als Warte und zur Vertheidigung, hoch und 
schlank emporstieg. Solche Thürme zu besitzen wurde dann bald 
eine Sache des Stolzes; die Familien überboten sich in der Höhe 
und Zahl derselben, und die Bürger selbst rechneten sich wohl 
das kriegerische Ansehen. das die Menge dieser schlanken
        

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