Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971338
Mosaiken 
der 
Marcuskirche. 
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Style accommodiren; so ein Presbyter Grisogonus im Jahre 1507, 
an der Gestalt des h. Paulus am Chorpfeiler?) und ein ge- 
wisser Petrus, der sich mit der Jahreszahl 1506 an dem sitzenden 
Christus der Hauptapsis und mit der von 1509 an dem aus dem 
Chore in die rechte Seitenapsis führenden Bogen nennt. Man 
kann an einzelnen Zügeu diese Imitation von dem wirklich byzan- 
tinischen Style unterscheidenw), aber immerhin ist sie ein merk- 
würdiger Beweis von der Neigung und Gewandtheit der Italiener, 
sich im Interesse der Harmonie eines künstlerischen Ganzen dem 
älteren Styl anzubequemen. Freilich hörte demnächst bei den 
Arbeiten der Zuccati diese rücksichtsvolle Behandlung auf. 
Auch ausserhalb der Marcuskirche linden wir im XIII. Jahr- 
hundert keine Spur einer einheimischen, nicht byzantinischen 
Schule. Die Malereien an der Reliquienkiste der h. Giuliana (jetzt 
iu S. Biagio auf der Giudecca), die man mit dem Todesjahre der- 
selben 1262 in Verbindung gebracht und zum Beweise einer sol- 
chen angeführt hatwiik), sind in der That mehr roh als byzanti- 
nisch, aber doch auch zu unbedeutend und vereinzelt, um irgend 
einen historischen Werth zu haben. 
Eine byzantinische Plastik gab es bekanntlich nicht  seit 
den Zeiten des Bilderstreits erlaubte sich die griechische Kunst 
nur etwa auf Elfenbeintäfelchen oder in Goldarbeit wirkliche 
Reliefdarstelluilgeil. Selbst der Erzguss, von dem die Marcus- 
kirche ja ebenfalls eine wirklich byzantinische und eine derselben 
treu nachgeahmte Thür besitzt, begnügte sich mit {lach eingelegten 
Figuren. Die Venetiauer hatten als abendländische Christen keinen 
Grund, die volle Körperlichkeit in der Kunst zu scheuen, aber 
dennoch scheinen sie sich lange ohne eigne Sculptur behelfen zu 
haben. Die Gräber der Dogen Marine Morosini (1- 1252) und 
Ü Die Schxeibart seines Namens zeigt, dass er nicht (wie v. d. Hagen. 
Briefe II. 129 annimmt, indem er ihn irrig Chrysogonos nennt) ein Byzantiner 
gewesen. 
H) Dass es blosse Restaurationen alter Mosaiken gewesen, ist nicht denk- 
bar, da man dann den Arbeitern nicht gestattet haben würde, ihre Namen ohne 
Erwähnung dieses Verhältnisses in so grosser und auffallender Schrift, wie 
es hier geschehen ist, anzubringen.  
 Lanzi in der Einleitung zur venetianischen Schule. 
i") S. oben Bd. III. S. 211. 
vn. 19
        

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