Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971308
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Anfänge 
italienischer 
Kunst. 
wohl aber legen die älteren Mosaiken von der 'l'üch1igkeit 
dieser Techniker und von der Bedeutung der byzantinischen 
Schule nochiein sehr günstiges Zeuguiss ab. Von denen der 
Vorhalle habe ich schon gesprochen  noch bezeichnender sind 
aber die der beiden östlichen Kuppeln. Die über dem Hauptaltare 
scheint die frühere und mag vielleicht noch dem XI. Jahrhundert 
angehören. Sie enthält in der Mitte im Medaillon das Bildniss 
des jugendlichen unbärtigen Christus und rings umher die Jung- 
frau nebst einer Zahl von Propheten und alttestamentarischen Ge- 
staltenw). 
Frei und jebendig sind sie freilich nicht aufgefasst, das 
Wohlgefallen an dem steif Geregelten, Couventionellen, das bei 
der Pflicht treuer Reproduction nicht ausbleiben konnte, ist auch 
hier bemerkbar. Die Jungfrau mit der schwerfälligen Verhüllung 
ihres Hauptes und der ängstlich symmetrischen Haltung der 
betend erhobenen Arme trägt dies Gepräge im höchsten Grade 
und durchweg ist der Faltenwurf und die Andeutung des Kör- 
pers unter den Gewändern in derselben, unwahren und nur durch 
die mittelbare Nachahmung antiker Sculptur erklärbaren XVeise 
ausgeführt. Aber die Haltung der Körper ist doch lebendiger, 
der Ausdruck der Köpfe mannigfaltiger, nicht mit der monotonen 
ascetischen Miene wie in den älteren römischen Mosaiken, David 
und besondersSalomon sind ungeachtet ihres überladenen und 
steifen königlichen Schmuckes anziehende Gestalten, und über- 
haupt spürt man noch einen Rest des griechischen Sinnes für 
Würde und Anmuth. Viel anziehender ist die Darstellung der 
Himmelfahrt in der Kuppel über der Vierung; in der Spitze der 
Wölbung die Füsse des aufsteigenden Christus auf gestirntem 
Grunde, dann im Kreise die Jungfrau nebst den Aposteln und 
den zwei nach oben hiuweisenden Engeln, endlich als dritte und 
unterste Reihe zwischen den Fenstern der Kuppel die Tugenden- 
 Bd. IV. 2, 536.  
 Vgl. dieses und die Mehrzahl der unten erwähnten Mosaiken in dem 
leider unvollendeten Prachtwerke von Kreutz, La Basiliea di S. Marco. Von 
der Kuppel über der Vierung mit den Gestalten der Tugenden sind leider 
keine grössern Zeichnungen als die auf den Durchschnitten gegeben, welche 
denn doch kaum eine Ahnung ihrer grossartigen Erscheinung geben.
        

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