Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968546
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Italien 
im 
XIII. 
Jahrhundert. 
zwar nur auf die lombardischen Städte; aber es war begreif- 
lich, dass man ihn als ein Anerkenntniss des natürlichen Rechts 
aller Städte betrachtete und dass daher jede, welche die Macht 
dazu fühlte, dieselben Rechte in Anspruch nahm. Friedrich selbst 
schien bei näherer Kenntniss der italienischen Verhältnisse sich 
dieser Ansicht zu fügen, und bald nach seinem Tode traten auch 
die mächtigen Städte 'l'oscana's, mit Ausschluss von Pisa, zu 
einem Bündnisse zusammen (H98), und die grösseren Com- 
munen im Kirchenstaate und in Umbrien fast wie selbstständige 
Staaten auf. So war denn die Städteherrschaft von den Alpen bis 
an die Grenze des neapolitanischetl Reiches die Regel, und selbst 
wo einzelne mächtige Barone ihre Selbstständigkeit bewahrten, 
suchten sie Bündnisse mit den Städten und bewegten sich ganz 
in dem Kreise ihrer Politik. 
Das gab denn allerdings besser geordnete und durchsich- 
tigere Zustände als bisher, aber noch keineswegs friedliche. 
Alles War gährend, voll unbestimmter Ansprüche. Die grössern 
Städte, eben erst durch glückliche Usurpation zur Macht gelangt, 
suchten auf diesem VVege fortzuschreiten, die kleineren sich eben- 
falls zu heben, den ihnen gleichgestellten den Bang abzulaufen 
und sich durch Bündnisse gegen die mächtigeren zu schützen, 
Dazu kam, dass die Vertragsbestimmungen und Friedensschlüsse 
oft zweifelhaft lauteten, und dass die Bevölkerung, weil die Ver- 
mehrung politischer Gewalt auch dem Gewerbe zu Statten kam, 
leicht den kühnen Auslegungen und den schmeichelndeil Ver- 
heissungen der Parteiführer nachgab. Daher denn ein fortwäh- 
rendes diplomatisches Intriguexispiel, eine Menge von Neben- 
buhlereien, welche die Leidenschaften aufregten und bei dem 
Mangel eines anerkannten Oberhauptes und bei der allgemeinen 
Streitlust zu Waffenkämpfen führten. 
Es waren einigermassen ähnliche Zustände wie im republi- 
kanischen Griechenland, aber sehr viel verwickeltere und wildere. 
Jene antiken Republiken waren durch keine Rücksicht auf eine 
Vergangenheit gehemmt, nur auf ihr unmittelbares Interesse an- 
gewiesen, ganz selbstständig oder doch nur durch neue Verträge 
gebunden. Diese Städte dagegen hatten eine Fülle von über- 
lieferten Rechtsansprüchen, hatten ihr, wenn auch loses Verhält-
        

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