Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971200
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Anlfänge 
italienischer 
Kunst. 
Engelsbnrg zu Rom aus der zweiten Hälfte des XII. Jahrhunderts, 
deren Miniaturen, wie der Inhalt ergiebt, in Rom selbst ausgeführt 
sind, ist an der Figur des h. Petrus, dem die Einwohner von Tivoli 
einen Eid leisten, die unmittelbare Nachahmung einer antiken Statue 
unverkennbar, während das schwörende Volk mehr in byzanti- 
nischer Weise ausgeführt istß). In vielen Fällen aber finden sich 
neben den byzantinischen Anklängen doch wieder keck natura- 
listische Züge, oder eine Behandlung des Riemwerks in Initialen 
und Randverzierungen , oder endlich humoristische Arabesken, 
welche den Byzantinern fremd sind und auf einen nordischen Ein- 
fluss hinweisenwß). Die öffentliche Bibliothek zu Mantua ist 
Erbin der Handschriften des benachbarten vormaligen Benedik- 
tinerklosters von Polirona geworden, von denen mehrere Minia- 
turen enthalten. S0 ein Missale des XII. Jahrhunderts eine 
grosse Initiale mit dem segnenden Christus und den vier Evan- 
gelisten, die aber die Köpfe ihrer Thiersymbole haben, und ein 
grösseres Bild, die Kreuzigung mit der Ecclesia und Synagoge 
und mit andern Gruppen, und darunter die Auferstehung. Die 
grünliche Carnation, die Haltung des Christus mit ausgebogenem 
Leibe, kleinem Schurz und den vier Nägeln, die kräftige Deckfarbe 
lassen auf einen byzantinischen Einliuss schliessen, aber doch nur 
auf einen mittelbaren, und das Ganze hat in der Zeichnung und in 
der Farbenwahl grosse Verwandtschaft mit deutschen Arbeiten 
dieser Zeit. In einem Psalterium erinnern die Bilder an das Lob- 
gedicht des Donizo, in einem Commentar zum Evangelium Mathäi 
aber hat die grosse Initiale, in welcher Abt Petrus das Buch dem 
Evangelisten überreicht, Wieder auffallende Verwandtschaft mit 
deutschen Miniaturen ggf). Noch stärker ist die Verwandtschaft 
Psalterium Nro. 585, der Horen Nro. 4763 der Vaticana, aus dem XII. und 
XIII. Jahrh. Agincourt Tab. 69 und 104, Nro. 3 und 10. Tab. 103. 
Ü Agincourt Tab. 67 Fig. 1, 2. 
w") So in den verschiedenen Pergamentstreifen mit dem sogen. Exultet, 
welche in der Opera de" parati des Pisaner Domes bewahrt werden und wovon 
Rosini auf dem Titelblatt und Tab. 13 Proben giebt. 
g") Abbildungen dieser Miniaturen bei Carlo Areo (delle Arti e degli 
affifiqi di Manmva, M. 1857), welcher jedoch die, Ecclesia der Kreuzigung, 
die das Blut des Gekreuzigten auffzingt, für die fromme Gräfin Mathilde, die 
Synagoge aber, welche mit verbundenen Augen und ein Böcklein oder Lamm 
tragend dargestellt ist, für die Personification ihrer Innocenza e fede hält!
        

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