Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971199
Kritik 
der 
frühem 
Berichte. 
275 
Streifen wir von dieser seiner Erzählung das novellistische 
Element ab und halten wir nnr das Allgemeine fest, dass nämlich 
dem Aufschwunge der italienischen Kunst eine stärkere Aneignung 
byzantinischer Eigenthümlichkeiten vorher gegangen sei, so wird 
dies in der That der Wahrheit entsprechen. Allerdings aber 
haben wir dann auch hier erst aus den Monumenten selbst die 
innern Ursachen und das Maass dieses byzantinischen Einflusses 
kennen zu lernen. 
Wir wollen dabei wieder mit einer Uebersicht der Minia- 
turen anfangen. Zwar hat dieser Kunstzweig hier bei Weitem 
nicht die Bedeutung wie bei den nordischen Nationen, wo die 
Miniatnrmalerei wirklich die Schule für höhere Malerei wurde. 
Das war sie in Italien niemals und überhaupt wurde sie erst im 
XIV. und besonders im XV. Jahrhundert recht beliebt und blühend, 
während Miniaturen des XII. und XIII. Jahrhunderts ziemlich 
selten und ohne Originalität sind. Aber dennoch sind sie ans- 
reichend, um einen chronologischen Ueberblick, namentlich über 
die Frage, in welchem Maasse und zu welcher Zeit fremder Ein- 
fluss geherrscht habe, zu geben. Grade die Miniatur ist der 
Kunstzweig, durch welchen die Byzantiner sonst am meisten auf 
das Ausland wirkten, und den sie auch hier, eben wegen jener 
geringen Neigung der Italiener, am leichtesten in Händen be- 
halten haben würden. Grade hier müsste ihre ausschliessliche 
Thätigkeit am augenscheinlichsten sein, und grade hier treffen 
wir sie nicht an. Betrachten wir die Handschriften des XI. und 
XII. Jahrhunderts, deren italienischer Ursprung erwiesen oder 
Wahrscheinlich ist, so finden wir wohl einzelne Figuren oder 
Scenen, die wirklich aus byzantinischen Handschriften entlehnt 
sindg), aber in den meisten fehlt entweder jeder Schein eines sol- 
Chen Einflusses, oder es zeigen sich zwar ähnliche Züge, die aber 
nicht sowohl von den Griechen angenommen, als durch gleiche- 
Ursachen, durch die gleiche Einwirkung antiker Reminisccnzen 
bei schwacher und unbeholfener Kunstübnng entstanden zu 
Sein scheinen ich). In einer Sammlung von Bullen im Archiv der 
 So in dem Evangeliarium der VaticanaNro. 5974 bei Agincourt Tab. 104. 
u) So bei der Chronik des Klosters S. Vincenzo am Volturno XII. Jahrh. 
In der Bapberinischen Bibliothek, bei dem neuen Testamente Nro. 39, dem 
18 
        

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