Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971182
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Anfänge 
italienischer 
Kunst. 
treter des griechischen Styles, für die man keinen bestimmten 
Namen hatte und sie daher schlechtweg „Grecia nannte, weiter 
hinausrücken. Vielleicht fand Vasari diese Auffassung schon in 
den "Aufzeichnungen alter Maler " vor, welche er grade bei der 
Nachricht von dem glänzenden Erfolge der grossen Madonna 
Cimabueis anführt, also bei einer sagenhaften Thatsache, welche 
Cimabueis Bedeutung sehr hoch stellter). Jedenfalls wird er von 
den Ansichten des Ghiberti, dessen Commentar er kannte und im 
Leben des Duccio ausdrücklich citirt, nicht ohne Noth abgewichen 
sein. Nach GhibertPs Darstellung dauerte der Schlaf der Kunst 
von der Zerstörung der antiken Tempel bis auf Giotto gleich- 
mässig fort; Vasari hatte, ungeachtet der Flüchtigkeit seines 
Auges, doch zuviel gesehn, um dem beizustimmen. Er fand 
rohe stumpfe Arbeiten, dann eine Zahl von wirklich byzantini- 
sehen oder ihnen nachgeahmten Gemälden, die wenigstens eine 
sorgfältigere Behandlung hatten, und entdeckte endlich bei Ci- 
mabue Fortschritte und Verdienste neben einer gewissen Ver- 
wandtschaft mit diesem byzantinischen Style. Er modiiicirte daher 
Ghibertfs allzu allgemeine Darstellung in der Art, dass er zwar 
eine ansschliessliche Praxis der Griechen während des ganzen 
Mittelalters annahm, dabei aber doch voraussetzte, dass es zu- 
weilen, vielleicht oft und längere Zeiträume hindurch auch an sol- 
chen Griechen gefehlt haben möge, bis diese kurz vor Cimabue 
in grösserer Zahl und mit grösserem Erfolg gewirkt hätten. Da 
nun überdies seine Anschauungen sich im Wesentlichen auf Tos- 
cana und besonders auf Florenz beschränkten (selbst in Rom 
scheint er für kunsthistorische Betrachtung keine Zeit gehabt zu 
haben), so ergab sich daraus seiner lebendigen Phantasie ganz 
von selbst jener Hergang der Berufung griechischer Meister nach 
Florenz und ihres Lehrverhältnisses zu Cimabue. 
divina comedia dar. Nachdem vorher die Malerei roh und ohne Ausdruck 
gewesen, habe zuerst Cimabue i lineamenti naturali e 1a vera proporzione 
gefunden und die bisher todten Gestalten der Malerei lebendig gemacht. Er 
würde noch berühmter geblieben sein, wenn Giotto ihn nicht verdunkelt hätte. 
 Vasari a. a. O. S. 225. Dass Vasari auch sonst manche schriftliche 
Berichte benutzte, ergiebt sich besonders aus dem Leben des Gaddo Gaddi, 
wo e; von einem "libretto antico" spricht, das ihm Nachrichten über diesen 
und über andre gleichzeitige Kunstereignisse gegeben habe. Daselbst S. 295, 297.
        

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