Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971171
Kritik 
der 
frühern 
Berichte. 
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des Griechischen und Italienischen nur an die Verschiedenheit 
zweier in Italien herrschender und von Italienern geübter Kunst- 
richtungen denken. Dass sie dann beide die ältere Richtung grie- 
chische Manier nannten, erklärt sich ganz einfach dadurch, dass 
sie bei den Byzantinern ähnliche Züge wahrnehmen, und dass es 
ihnen darauf ankam, das Unverständliche, Fremdartige, das jene 
ältern Werke für sie hatten, durch ein prägnantes, anschauliches 
XVort zu bezeichnen. Zu allen Zeiten, selbst in unsern Tagen, 
ungeachtet der grösseren allgemeinen Bildung, bedürfen die 
Künstler zur Verständigung unter sich solcher genereller Bezeich- 
nungen, bei denen es auf genaue historische Begründung nicht 
ankommt, und die bald typisch werden und sich lange Fortpflan- 
zeu. Giotto hatte die Kunst auf tiefern Ausdruck nationaler, ver- 
ständlicher Gefühle hingeleitet, und seine Kunstweise hatte 
rasch in allen Theilen Italiens mehr oder weniger Anklang und 
Nachahmung gefunden; dies war ein hinreichender Grund, sie als 
die italienische oder wahre, die Nachklänge jenes ältern spröderen 
Styls aber, die sich noch lange erhielten und für deren Kritik man 
eines Wortes bedurfte, mit dem des „Griechischen" zu bezeichnen. 
Dieser Sprachgebrauch konnte natürlich erst entstehen, nachdem 
Gi0tto's Schule die unbestrittene und allgemeine Herrschaft in Italien 
erlangt hatte; seine Zeitgenossen, Dante und dessen Commen- 
tator, konnten ihn daher nicht kennen, während er den Künstlern 
der dritten oder vierten Generation nach Giotto, zu denen Cennini 
und Ghiberti gehörten, geläufig war und sich nun traditionell er- 
hielt. Indessen nicht ohne Veränderung. Je mehr die Renaissance 
feste Wurzeln fasste, desto mehr trat nun auch Giotto in den 
Hintergrund und rückte allmälig mit Cimabue zusammen. Der 
eine war veraltet Wie der andre, ja das an die Reproduction der 
Antike gewohnte Auge der Maler des XVI. Jahrhunderts fand 
bei Cimahue verwandtere Züge und eine gewisse Hoheit und 
Würde, die Giotto abging. Man konnte daher die Ehre, welche 
Cennini und Ghiberti diesem zuerkannt hatten, ihm nicht mehr 
erhalten, die Grenze des Griechischen und Italienischen nicht mehr 
zwischen beide verlegen, sondern betrachtete schon Cimabue als 
den Anfänger der italienischen Kunst?) und musste nun die Ver- 
 So stellt es schon Landino in Prcemio zu Seinem Ütömmerltar der 
vn. 18
        

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