Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971168
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Anfänge 
italienischer 
Kunst. 
ausgeht, kommt bei den Schriftstellern des XIII. und XIV. Jahr- 
hunderts, in deren Zeit er grade gefallen sein soll, noch nicht vor. 
Selbst Dante, der über Angelegenheiten der Kunst sehr gut unter- 
richtet ist und sich oft fast wie ein Künstler äussert, und eben so 
Sein früher, bald nach seinem Tode schreibender, unten noch näher 
zu erwähnender Comrnentator kennt ihn noch nicht. Dieser be- 
merkt in Beziehung auf Cimabue nur, dass er ein in seiner Zeit 
ausgezeichneter Maler, aber sehr hochmüthig und reizbar gewesen, 
und Dante giebt gradezu das Verhältniss Giottds zu Cimabue als 
das des gewöhnlichen Fortschrittes an. Er scheint daher gar nicht 
zu wissen, dass um diese Zeit, sei es bei Giotto oder bei Cimabue, 
eine so gewaltige Umwandlung der Kunst stattgefunden habe. 
Erst im XV. Jahrhundert linden wir den Gegensatz des Grie- 
chischen und Italienischen erwähnt, und zwar bei zwei Künstlern, 
welche Aufzeichnungen über ihre Kunst hinterlassen haben, bei 
Cennino di Andrea Cennini, einem mittelbaren Schüler Giottds, 
der um 1437, und bei Lorenzo Ghiberti, dem berühmten Bild- 
hauer, der um 1450 schriebfc). Beide aber sprechen nicht, wie 
Vasari und die spätern italienischen Schriftsteller, von Personen, 
von griechischen oder italienischen Malern, sondern von einer 
griechischen und italienischen Kunst; sie unterscheiden zwei Ma- 
nieren, von denen sie die ältere als die griechische bezeichnen. 
ohne anzudeuten, dass diese auch von Griechen in Italien geübt 
oder gelehrt seimk). Ghiberti spricht zwar ein Mal auch von der 
Rohheit „der Griechen", welche Giotto zuerst überwunden habe, 
aber es ist das atlgenscheinlich nur ein zur Abwechslung gewählter 
Ausdruck für Maniera greca. Denn alle Maler „griechischer Ma- 
xiier", welche er namentlich nennt, Cimabne, Pietro Cavallini und 
Duccio, sind Italiener, und er kann daher, indem er, wie Cennini, 
Giotto für den Erneuerer der Kunst erklärt, bei jenem Gegensatze 
E] Dies ergiebt sich aus seinen von ihm erwähnten eignen Arbeiten, 
deren Chronologie wir kennen. 
W) Oennino in Seinem Trattato cap. 1.: Giotto rimutö Parte del dipignere- 
di greco in latino e ridusse al moderne.  Ghiberti in seinem Commentar 
(abgedr. in der angef. Ausg. des Vasari und zum Theil bei Cicognara Storia 
della Sculßura]: Cimabue    tenea 1a maniera greea; in quelle. maniera ebber 
in Etruria gramlissima fama. Giotto-arrecö Parte nuova; lasciö 1a rozzezza 
de' Greci etc.
        

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