Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971159
Kritik 
der 
frühern 
Berichte. 
271 
auf jene Annahme des ausschliesslichen Kunstbetriebes durch 
Griechen und der Erhebung durch italienische Schüler dieser 
Griechen ein, ohne zu prüfen, 0b wirklich Solche Griechen in 
grosser Zahl anwesend gewesen und wodurch sich griechische 
Kunst von der einheimischen, aus altchristlichen Traditionen 
hergeleiteten genau unterscheiden lasse, und kam durch den 
Streit über unbedeutende Namen, mit denen man die Kunst- 
geschichte belud, und durch die stete Verwechslung der Nationa- 
lität der Künstler mit der der Kunst in endlose Verwirrungen 
und Willkürlichkeiten, so dass die überaus reiche Literatur, deren 
sich die italienische Kunstgeschichte erfreut, die Kenntniss der 
Wirklichen Verhältnisse eher erschwert als befördert?) 
Geht man näher auf die Quellen ein, aus welchen Vasari 
Seine Kunde von jener dreihundert Jahre vor ihm liegenden Zeit 
geschöpft haben kann, so lernt man ihn besser verstehn. Der 
Gegensatz von griechischer und italienischer Kunst, von dem er 
 Wie verwirrend dieser literarische Reichthum ist, sieht man schon bei 
der Vergleichung der Geschichte der Sculptur mit der der Malerei. Jene, 
für die überaus wenig gethan ist, da Cicognara in der Storia della Scultura, 
dem einzigen grössern Werke über diesen Kunstzweig, die frühe Zeit nur 
sehr allgemein und mit höchster Leichtigkeit und Unbestimmtheit berührt, 
stellt sich uns viel klarer dar als die Malerei, welche der Hauptgegenstand 
des Interesses der Italiener war. Grade bei dem neuesten Geschichtschreiber 
(Rosini, Storia della pittura italiana, Pisa 1839) ist die Verwirrung wahrhaft 
Mitleid erregend, und auch Lanzi, obgleich er besser unterscheidet und nicht 
so leicht vrie Rosini oberflächliche, auf Vasarfs Darstellung gebaute Aeusse- 
rungen später Schriftsteller als authentische Nachrichten behandelt, hat sein 
Buch mit einem Ballast unnützer Namen überladen und giebt durchaus keine 
Anschauung von dem wirklichen Hergang. Selbst die fremden Bearbeiter 
italienischer Kunstgeschichte sind dadurch mehr oder weniger auf Abwege 
gerathen und haben, indem sie die Resultate bestreiten, allzu oft die Prä- 
missen irrigerweise zugegeben. Agincourt hält das Dogma von Griechen und 
Schülern der Griechen völlig fest und glaubt beide nach sehr äusserlichen 
Kennzeichen unterscheiden zu können. Fr. Köhler in seinen übrigens ge- 
haltvollen Aufsätzen über die Anfänge italienischer Kunst (Kunstblatt1826, 
1827) sucht ganz wie Vasari und Baldinucci nach einem Stammvater dieser 
Kunst, den er nur im Gegensatze gegen diese in Parma gefunden Zll haben 
glaubt. Rumohfs Ansichten nähern sich im Wesentlichen der Wahrheit, 
nur dass er im Kampfe gegen italienische Vorurtheile auf eine Spitlfindi? 
kßit und Rechthaberei gerathen ist, die ihn oft auf falsche Wege führt-
        

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