Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971134
Kritik 
der 
frühern 
Berichte. 
269 
Künste in ihrer rohen und stumpfen Weise betrieben. S0 sei es 
bis um das Jahr 1250 geblieben, wo die Regierung von Florenz, 
weil es in ihrer Stadt an Künstlern fehlte, gewisse griechische 
Maler dorthin berufen habe, deren Arbeiten dann das ilatürliche 
Talent des Florentiners Cimabue anregten, so dass er zuerst 
ihnen ihre Künste abzusehn suchte, dann bei ihnen förmlich in 
die Lehre trat, und nun, während sie handwerksmässig und ohne 
Eifer fortarbeiteten, sie in der Zeichnung sowohl wie in der Farbe 
weit übertraf und damit den Weg zu weitem Fortschritten bahnte. 
Ungefähr um dieselbe Zeit aber sei etwas Aehnliches in der 
Sculptur und zwar durch Niccolö von Pisa geschehn, der als 
Gehülfe griechischer Bildhauer am Dome seiner Vaterstadt be- 
schäftigt, durch die Schönheit eines bestimmten antiken Sarkophags 
erweckt, die Schwächen dieser seiner Meister erkannte und nun 
ebenfalls sich dem Besseren zuwandte. Dies alles trägt der Vater 
der Kunstgeschichte in seiner lebendigen YVeise mit den ge- 
nauesten Details vor. Er führt uns in Pisa an den Sarkophag, 
dessen Schönheit Niccolifs Kunstgefühl erweckt habe, er zeigt 
uns in Florenz den jungen Studenten aus dem adeligen Hause der 
Cimabue, der heimlich aus der Schule in jene Kapelle läuft, wo 
die Griechen malen, ihnen zusieht, sie nachahmt und dabei so un- 
verkennbare Proben seines Talents ablegt, dass selbst sein Vater 
endlich nachgeben muss und, einen ehrenvollen Erfolg davon 
hoffend, ihn jenen fremden Meistern in die Lehre giebt. 
Dass diese Geschichte nicht völlige und wörtliche Wahrheit 
enthält, ist nun zwar längst anerkannt. Die Capella Gondi in 
S. Maria novella, Wo Vasari jene Griechen malen lässt, war da- 
mals noch gar nicht erbaut, von der Berufung derselben spricht keine 
Chronik, keine Urkunde, jedenfalls konnte sie nicht deshalb ge- 
schehen sein, weil es an einheimischen Malern fehlte. Denn solche 
kotnmen in tlorentinischen Urkunden häufig, schon seit 1066 vor, 
und da eine derselben im Jahre 1'269, also etwa 10 Jahre nach 
jener angeblichen Berufung der Griechen, einer „Strasse der Ma- 
ler" erwähnt, so muss es damals und schon seit längerer Zeit 
eine zahlreiche Gilde sesshafter Maler gegeben haben  Und 
Herausgeber des Vasari a. 
w] Vgl. die Anmerkung der 
Rllmohr I. 327. 
und 
253
        

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