Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971091
Venedig. 
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Oft mit Kriechblumen und immer oben mit einer grossen, einem 
Federbusch gleichenden Blume geschmückten, auch Wohl von 
zwei derben Fialen flankirten Spitzbogen bedeckte. Da die Bogen- 
gliederung ohne irgend eine Verbindung der ganz in sich abge- 
schlossenen Thürbekleidung aufliegt und selbst die Fialen nicht 
vom Boden, sondern von frei aus der Mauer hervorspringexidexi 
Consolen aufsteigen, so ist auch jeder Schein einer constructiveu 
Bedeutung aufgegeben und das Ganze ist nur ein phantastischer. 
oberhalb der einfach viereckigen Thüre der VVand angeklebter 
Schmuck, der aber als solcher nicht ohne Reiz ist. Einfachere 
Bildungen dieser Art haben die Eingangsthore an den Umgebun- 
gen von S. Maria de' Miracoli und an S. Zaccaria, reichere die 
Seitenportale an der grossen Kirche der Frari und besonders 
an S. Stefano, wo die vortreffliche, aber fast zu üppige Behand- 
lung schon auf das zweite Viertel des XV. Jahrhunderts deutet. 
Eine andre sehr beliebte Verwendung gothischer Formen ge- 
währten die Heiligenbilder über den Brücken der kleinen Kanäle, 
welche als Reliefs auf einem die schmale Gasse an den Eckhäu- 
seru überspannenderl Steiubalken ruhend von einem hohen 
Spitzgiebel mit durchbrochenem oder blindem Maasswerke über- 
dacht zu sein pflegen. Endlich blieb aber auch die alte Marcus- 
kirche nicht ohne den Reiz dieses neuen Styls, indem sie nicht 
nur Radfenster in den Kreuzschiffen, sondern auch (muthmass- 
lich nach einem Dachbrande von 1423] die Ausstattung ihrer 
Faeade mit den kühn geschweiften und in meisterhafter plasti- 
scher Ornamentation reich verzierten Spitzgiebeln über den fünf 
Rundbögeti der Vorhalle und den dazwischen empor-ragenden 
'l'abernakeli1 erhielt. S0 Wenig dieser Aufsatz dem Styl des alten 
Gebäudes entspricht, lässt sich doch nicht läugnen, dass er im 
Ganzen nicht nnvortheilhaft wirkt, indem er die fremdartige Er- 
scheinung desselben zugleich phantastisch steigert und doch wie- 
der auf dieser Stelle einbürgertß). Er giebt, wie in seiner Art der 
Dügenpalast, einen glänzenden Beweis von dem decorativen 
Talent dieser venetianischen Meister, welche, wenn es Noth that, 
sich über die Regeln stylistischer Einheit und Symmetrie kühn 
Wegsetzten und, bloss ihrem malerischen Gefühle folgend, Compo- 
"Ü Vgl. die sehr gute Ausführung bei Mothes a. a. O. S. 956.
        

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