Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971075
Der 
Dogenpalast 
Zll 
Venedig. 
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Bögen und Kreise nur zwei Drittel, höchstens drei Viertel der 
Höhe der sie tragenden Säulen; hier sind sie denselben an Höhe 
gleich und erscheinen dadurch schwerfälliger und lastender als 
wünschenswerth. Wären diese Hallen erst 1424, also gegen 
das Ende der Anwendung gothischer Formen in Venedig, wo man 
zahlreiche Beispiele dieses Maasswerks vor Augen hatte, errichtet, 
so wäre dieser MissgriH kaum denkbar. Stammen sie dagegen 
aus der Zeit von 1340, waren sie vielleicht das erste Beispiel die- 
ser eleganten Form oder doch eines der ersten, so lässt sich be- 
greifen, dass der Meister (vielleicht mit Rücksicht auf die Bekrö- 
nung, welche die Gallerie damals erhielt) grade von solchem Ver- 
hältniss eine günstige Wirkung hoffen konnte. 
Die Zahl der Paläste dieses Styls ist überaus gross. Am 
Canale grande sind sie fast überwiegend, und in der That er- 
scheint ihre heitere phantastische Pracht nirgends an so natür- 
licher Stelle als an dem grossen Wasserspiegel dieser Haupt- 
strasse Venedigs; aber auch an entlegeneren Stellen, an den ein- 
samen kleinen Plätzen der Inseln oder selbst in engen Strassen, 
wenn die Kanäle eine Wendung machen, welche Raum für den 
Anblick gewährt, tauchen sie überall auf. Zu den grössesten und 
schönsten gehören am grossen Kanal die aneinanderstossenden 
Paläste Giustiniani und Foscari, dann der jetzige Gasthof der 
Europa, die Paläste Pisani-Moretta, Cavalli, Barbaro, Bernardo. 
Zu den spätesten dieser Art gehört die durch ihre anmuthigen 
Verhältnisse und durch den reichen Schmuck mit farbigen Mar- 
morstücken und Fragmenten so anziehende und beliebte ca Doro ü), 
i") Es ist (nach Selvatico) erwiesen, dass sie im Besitze der Familie 
Doro gewesen und daher der Name nicht, wie man gewohnt war, 0a d'oro 
(das Goldhaus) zu schreiben sei. Sie besteht bekanntlich nur aus zwei 
Theilen, einem mit einer Loggia wie sonst im Mittelbau und ein em Flügel, der 
jedoch breiter gehalten wie gewöhnlich, und man hat in vielen Abbildungen 
(schon in Cicognariüs Fabbriche piü cospicue) diesen vermeintlichen Manget 
durch Hinzufügung des andern Flügels verbessert. Allein es ist wahrschein- 
licher, dass gleich anfangs aus einer Rücksicht der Bequemlichkeit oder 
Oekonomie nur dieser eine Flügel beabsichtigt ist. Mothes, der die Ca Doro 
S. 231 ff. einer ausführlichen Kritik unterwirft und ihre späte Entstehung, 
wie mir scheint, überzeugend nachweist, macht es sehr wahrscheinlich, dass 
sie an Stelle eines ältern Palastes, von dem die unteren Säulen und die vielen 
alten Fragmente stammen, erbaut sei und damit mag auch die unsymmetrische
        

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